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Dämon und Charisma bei Goethe

Ein zentrales Begriffsfeld in Goethes spätem Weltbild

Jana Jäger

Goethes spätes Weltbild, das wesentlich vom Phänomen des Dämonischen geprägt ist, wird in diesem Buch als Ausgangspunkt für bestimmte Ideenräume der modernen Theorie- und Diskursbildung gesehen. Es wird gezeigt, wie sich die Goethesche Vision des Dämonischen auf den heutigen Charisma-Begriff auswirkt und als dessen Grundlage gesehen werden kann. Zuerst werden die Begriffe «Dämon» und «dämonisch» analysiert, um dann in einem zweiten Schritt kenntlich zu machen, wie diese Begrifflichkeiten mit dem heutigen Charisma-Begriff in Verbindung stehen. Ziel des Buches ist es zu zeigen, dass der Charisma-Begriff Max Webers seinen geistesgeschichtlichen Ursprung nicht allein in der Antike und im frühen Christentum hat, sondern dass es Goethe war, der diesen Horizont über seine Vision des Dämonischen in die moderne Welt einführt.

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Zweiter Teil: Charisma und das Dämonische – Goethe als Quelle des modernen Charisma-Begriffs

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I. Goethes Charisma 1. Dämonische „attrattiva“ – Die Verbindung zum Begriff „Charisma“ Der in den vorangegangenen Abschnitten analysierte Begriff ‚Dämon‘ und das Phänomen des ‚Dämonischen‘ sind – und darauf muss in aller Deutlichkeit hin- gewiesen werden – aus Goethespezifischer Sicht geschildert worden. Trifft nach Goethes Vorstellung das Dämonische, das zu einem wesentlichen Teil durch den Zufall gekennzeichnet ist, auf den ‚Dämon‘ des Menschen, wirkt diese Macht also auf die Individualität eines Einzelnen, kann dies nach Goethe gewaltige Auswirkungen auf andere Menschen haben. Die, wie es Goethe in seiner Auto- biographie „Dichtung und Wahrheit“ nennt, gesteigerte „attrattiva“, d.h. die unglaubliche Wirkung auf die äußere Umgebung, ist das Ergebnis. Diese Wir- kung, die durchaus auch destruktive Auswirkungen haben kann, hat Goethe immer wieder konkret anhand seiner Figuren dargestellt. Dieser Aspekt soll unter anderem im Folgenden erläutert werden. Weiter oben ist bereits im Zu- sammenhang mit dem Begriff des Dämonischen die verhängnisvolle Konzeption der Figur Ottilie und der Figur Eduard in dem Roman „Die Wahlverwandtschaf- ten“ erläutert worden. Auch in Bezug auf die Figur Werther bildet die Anzie- hung, die von einer anderen Person ausgeht, nämlich der Lottes, ein wesentliches Handlungsmoment. An dieser Stelle sollen diese Beispiele für eine gesteigerte Anziehungskraft innerhalb der Figurenwelt Goethes genügen. Es soll lediglich darauf hingewiesen sein, dass innerhalb der Figurenwelt Goethes immer wieder die „attrattiva“-Thematik eine bedeutende Rolle einnimmt. Gerade in Verbindung mit seiner Figur Egmont weist Goethe auf diesen grundlegenden Begriff hin. Der...

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