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Die Stellung des Ehegatten im nordischen Erbrecht

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Susanne Markmiller

Das Familiengefüge ändert sich, das Erbrecht hingegen wird nicht oder nur geringfügig geändert. Die nordischen Länder haben die wandelnden Familienmuster erkannt und deshalb ihr Erbrecht, insbesondere die erbrechtliche Stellung des Ehegatten, sukzessive erweitert und gestärkt. Dabei hat zuletzt Dänemark im Jahr 2008 das Erbrecht tiefgreifend reformiert und sich hierbei am praktischen Bedarf und dem mutmaßlichen Erblasserwillen orientiert: Pragmatisch wurden dazu die Testamentspraxis der vergangenen Jahre erhoben und ausgewertet und die Erkenntnisse im Gesetzgebungsverfahren berücksichtigt. Ein untypisches Vorgehen im Vergleich zur positivistisch geprägten Gesetzgebung Österreichs. Und auch die auf Rechtsharmonisierung bedachten Länder Norwegen, Dänemark und Schweden sind bei den letzten Reformen und Gesetzesänderungen jeweils eigene Wege gegangen. In diesem Buch wird nach einer kurzen Einführung in den nordischen Rechtsraum und die Problematik des Ehegattenerbrechts sowie einem Überblick über das Ehegattenerbrecht Österreichs die Stellung des Ehegatten in den Erbgesetzen der genannten drei nordischen Länder dargestellt. Im Wege der Rechtsvergleichung wird die jeweilige erbrechtliche Stellung des Ehegatten im Erbrecht der untersuchten Länder gegenübergestellt.

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6. Kapitel: Das dänische Ehegattenerbrecht

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1. Einführung Das dänische Erbrecht hat seit Ende des 19. Jahrhundert umfangreiche Entwick- lungen erfahren, die nach Ansicht des Gesetzgebers auf tiefgreifenden, gesell- schaftlichen Entwicklungen und Änderungen fußen421. Diese hat der dänische Gesetzgeber, beispielsweise durch eine Auswertung statistischer Daten, analysiert und die Erkenntnisse in der Gesetzgebung zuletzt im Rahmen der Re- form aus dem Jahr 2008 berücksichtigt. Interessant hierbei ist, dass die Reformbestrebungen eine sukzessive Aus- weitung und Stärkung der Rechte der Ehegatten zum Gegenstand hatten. Unter Berücksichtigung des germanischen Ansatzes, dass dem Ehegatten eigentlich gar kein Erbrecht zukommt, ist diese Entwicklung bemerkenswert. Im Folgen- den sollen sowohl die Reform als auch die Rechte des Ehegatten näher beleuch- tet werden. In diesem Abschnitt soll deshalb verstärkt auch auf die Auslöser der Re- formgesetzgebung sowie die Umsetzung der Regelungen eingegangen werden. 2. Rechtsgrundlagen und historische Rechtsentwicklung Das dänische Recht ist, wie auch die anderen nordischen Rechtsordnungen, durch eine weitestgehend eigenständige, historische und systematische Entwicklung und in letzter Zeit durch die gemeinsame Zusammenarbeit der nor- dischen Länder auf dem Gebiet der Gesetzgebung geprägt. Bei aller Selbstständigkeit wurden Einflüsse aus anderen Rechtsordnungen aufgenommen und eingefügt. 2.1. Die Rechtsgrundlagen und die dänische Rechtsord- nung Das dänische Recht ist nicht in einer Kodifikation, vergleichbar dem Allgemei- nen Bürgerlichen Gesetzbuch, normiert. Die Rechtsgrundlagen werden - wie in den untersuchten nordischen Rechtsordnungen üblich - vielen einzelnen 421 Vgl. die Ausführungen unter Punkt 3.) dieses Kapitels und...

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