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Möblierte Vergangenheit, gelebte Gegenwart oder gewohnte Zukunft?

Die Bedeutung und Nutzung der Dinge des Wohnbereichs und ihr Stellenwert im individualbiographischen Lebensverlauf

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Marie-Helene Wichmann

Ist die Wohnung Zeitzeuge unserer Vergangenheit, Spiegel unserer Gegenwart oder Ausdruck unserer Ziele und Wünsche? In welchen zeithistorischen Kontext stellen Wohnende die Gestaltung ihres Lebensumfeldes? Dieser neuen, bisher vernachlässigten Perspektive wird hier in einer empirischen Untersuchung zum Wohnen interdisziplinär nachgegangen. Dabei wird das Wohnen als Gesamtphänomen gesehen und ein wegweisender Beitrag zur Wohnforschung geboten, der auch ein innovatives Untersuchungsmodell vorschlägt. Detailreich und interessant wird das Faszinosum Wohnen nicht nur über die Einrichtung, sondern auch anhand der Raumnutzung betrachtet: Hierbei spielen Aneignungsgeschichte, kulturelle, gesellschaftliche und individuelle Zeitbezüge ebenso wie das Moment der Inszenierung eine zentrale Rolle.

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Das Wohnen

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Das Wohnen stellt nicht nur eine alltagsweltliche Praxis dar, sondern ist ein genuin kulturelles Phänomen: Wohnen ist ein Stück Kultur, so lautet unisono der fachübergreifende Konsens von Omar Akbar 19 über Karla Scharf 20 und Hans Paul Bahrdt 21 bis hin zu Praktikern der Einrichtungsbranche 22 . Ist im Alltag oder in den Medien vom Wohnen die Rede, so wird das Woh- nen zumeist als Synonym oder totum pro parte für die Einrichtung und Möblie- rung gedacht. Auch in der Wohnforschung untersuchen die meisten Analysen vornehmlich die Möblierung (vgl. Berking 1991; Korff 1991; Scharf 1991; Csikszentmihalyi & Rochberg-Halton 1989; Bücker 1986; Günther 1984; Koelbl & Sack 1980; Meister & Jedding 1966), vor allem natürlich seitens der ästheti- schen Disziplinen (etwa Selle 1996; Berking 1991; Korff 1991; Selle & Boehe 1986; Taut 1928). Wie diese Aufstellung zeigt, ist das Feld der wohnbezogenen Forschungen disziplinenübergreifend und dabei heterogen in den Forschungsan- sätzen, weshalb die beteiligten Fachbereiche auch keinen eindeutigen For- schungsschwerpunkten zuzuordnen sind: Dennoch richten sozialwissenschaftli- che Forschungen (etwa Bücker 1986; Matthes 1978) meistens den Fokus als quantitative Querschnittsuntersuchungen auf die Einrichtung, während das Wohnen als sinnstrukturierte Bedeutungswelt und prozessuales Alltagshandeln am ehesten seitens der Kulturwissenschaften (etwa Miller 2001, Hecht 2001, Heidegger 1954) und der Psychologie (etwa Csikszentmihalyi & Rochberg- Halton 1989; Peel 1980) thematisiert wird. Im Folgenden wird zuerst der für diese Arbeit zentrale Begriff des Wohnens definiert und erläutert (Kapitel „Was ist Wohnen?”). Im Anschluss daran wird das Wohnen im Spannungsfeld...

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