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Möblierte Vergangenheit, gelebte Gegenwart oder gewohnte Zukunft?

Die Bedeutung und Nutzung der Dinge des Wohnbereichs und ihr Stellenwert im individualbiographischen Lebensverlauf

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Marie-Helene Wichmann

Ist die Wohnung Zeitzeuge unserer Vergangenheit, Spiegel unserer Gegenwart oder Ausdruck unserer Ziele und Wünsche? In welchen zeithistorischen Kontext stellen Wohnende die Gestaltung ihres Lebensumfeldes? Dieser neuen, bisher vernachlässigten Perspektive wird hier in einer empirischen Untersuchung zum Wohnen interdisziplinär nachgegangen. Dabei wird das Wohnen als Gesamtphänomen gesehen und ein wegweisender Beitrag zur Wohnforschung geboten, der auch ein innovatives Untersuchungsmodell vorschlägt. Detailreich und interessant wird das Faszinosum Wohnen nicht nur über die Einrichtung, sondern auch anhand der Raumnutzung betrachtet: Hierbei spielen Aneignungsgeschichte, kulturelle, gesellschaftliche und individuelle Zeitbezüge ebenso wie das Moment der Inszenierung eine zentrale Rolle.

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Das Wohnzimmer

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Die zugrundeliegende Untersuchung ist beschränkt auf das Wohnen im Wohn- zimmer, da dieses üblicherweise im größten Raum einer Wohnung beherbergt ist. Für den als Wohnzimmer bezeichneten Wohnraum beträgt die Normgröße in Standardgrundrissen zwischen 16 und 30 Quadratmeter, was aus typischen Möb- lierungsvorschlägen (etwa bei Jahr o.A.: 94 ff) hervorgeht. Die Bezeichnung für dieses „Zimmer, in dem man sich aufhält“ (Bassermann 1997: 398) hat sich im Laufe der Zeit geändert und firmiert heute im allgemeinen Sprachgebrauch auch noch unter dem Synonym (gute) Stube oder Wohnstube, die begriffshistorisch auf schichtspezifische Bezeichnungen rekurrieren (vgl. Selle & Boehe 1986: 32): Im Zuge der Abschaffung von Standesschranken wurde seit Beginn des letzten Jahrhunderts aus der „guten Stube“ des Kleinbürgertums und den Gesell- schaftsräumen der Oberschicht (etwa dem Damen-Salon und dem Herrenzim- mer) jenes Wohnzimmer, wie wir es heute kennen (Conran 2000: 115). War das Wohnzimmer noch vor 30 Jahren ausschließlich für besondere An- lässe reserviert und diente zum Empfangen von Gästen in einer repräsentativen Umgebung 48 (Evans 1999), wurde es seitdem zunehmend auch zum Rückzug- sort für den Feierabend und zum Ort der Entspannung 49 , „wo man fernsieht, sich unterhält, Musik hört oder auch selbst musiziert, in Büchern oder Zeitschriften schmökert oder am Computer arbeitet“ (Evans 1999: 7). Dies bestätigen auch die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung (Tab. I: Wohnzimmerfunktio- nen), in denen das Wohnzimmer nach Angaben aller Gesprächspartner zum Medienkonsum 50...

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