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Aufarbeitung nach Bürgerkriegen

Vom Umgang mit konkurrierender Erinnerung in Bosnien und Herzegowina

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Ute Möntnich

Bosnien und Herzegowina erlebten von 1992 bis 1995 einen ethnisch definierten Bürgerkrieg. In der Folge standen sich die Konfliktparteien mit unversöhnlichen Geschichtsbildern gegenüber. Schaffen es vergangenheitspolitische Verfahren und geschichtspolitische Konflikte, hier einen Wandel konkurrierender Erinnerungen zu bewirken und den Weg zu einer Aussöhnung zu ebnen? Das Buch erörtert diese Frage zunächst anhand theoretischer Studien zur Erinnerung und konzeptioneller Arbeiten über die Verfahren der Vergangenheitspolitik. Anschließend nutzt es die daraus gewonnenen Erkenntnisse, um mit einer Längsschnittstudie zu Bosnien und Herzegowina die Möglichkeiten und Grenzen der Bemühungen um eine Aufarbeitung auszuloten.

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1. Einleitung

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Warum sollte sich eine Gesellschaft mit vergangenem Unrecht auseinandersetzen, und welche Folgen kann es haben, wenn sie es nicht tut? Diese Fragen beschäftigen Wis- senschaftler, Politiker und Aktivisten seit mehr als einem halben Jahrhundert. „Ver- gangenheitsbewältigung” sollte sich im Deutschland der Nachkriegszeit des ideologi- schen Erbes von zwölf Jahren Nazi-Herrschaft annehmen, um die Wiederkehr monst- röser Verbrechen zu verhindern. Der Begriff stand häufig in der Kritik, weil er den Eindruck vermittelte, seine Befürworter wollten die öffentliche Diskussion über den Nationalsozialismus (NS) und seine Verbrechen beenden.1 Doch bestätigte sich nicht die Annahme, wenn man nur die Täter verurteile, sie aus wichtigen Positionen entferne und dazu den Opfern eine Entschädigung zahle, dann verschwände auch die Vergan- genheit als Gegenstand öffentlicher Auseinandersetzungen. Strafverfahren, Entnazifi- zierung und Entschädigungszahlungen „bewältigten” zwar die Vergangenheit, aber die Debatten um die Bedeutung der Vergangenheit für das neu gegründete politische Ge- meinwesen rissen nicht ab, sondern nahmen im Gegenteil noch zu. Sie erfuhren ihren Höhepunkt in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts.2 In meiner Arbeit bevorzuge ich den Begriff Aufarbeitung von Vergangenheit, da „Vergangenheitsbewältigung“ falsche Assoziationen weckt, indem er den Blick auf die Verfahren lenkt, mit denen die betroffenen Gesellschaften ihren Umgang mit der Ver- gangenheit zu regeln versuchen. Da Verfahren ein Anfang und ein Ende haben, ent- steht der Eindruck, als erledigten sich die Diskussionen um Vergangenheit mit dem Abschluss dieser Verfahren. Demgegenüber steht Aufarbeitung von Vergangenheit für...

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