Show Less

Die nichteheliche Lebensgemeinschaft im Versicherungs- und Haftungsrecht des Straßenverkehrs

Series:

Lena Pohl

Die nichteheliche Lebensgemeinschaft gilt in unserer Gesellschaft heute als verbreitete und anerkannte Zusammenlebensform. Vor dem Hintergrund der stetig wachsenden Anzahl nichtehelicher Verbindungen ist auch deren rechtliche Einordnung weiterhin von hoher Relevanz und Aktualität. Anders als die Ehe und eingetragene Lebenspartnerschaft ist die nichteheliche Lebensgemeinschaft jedoch gesetzlich nicht geregelt. Diese Arbeit stellt zunächst die allgemeine Rechtslage der nichtehelichen Lebensgemeinschaft in der deutschen Rechtsordnung dar und befasst sich mit der Frage nach Notwendigkeit und Grenzen deren Verrechtlichung. Im Anschluss daran erfolgt eine vertiefte Auseinandersetzung mit den sich speziell im Haftungs- und Versicherungsrecht des Straßenverkehrs ergebenden Rechtsproblemen im Zusammenhang mit nichtehelichem Zusammenleben.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

1. Teil: Die nichteheliche Lebensgemeinschaft in der deutschen Rechtsordnung

Extract

A. Sozialwissenschaftlicher Hintergrund, Historie und Erscheinungsformen nichtehelichen Zusammenlebens Beziehungen zwischen Mann und Frau, die zusammenleben, eine sexuelle Bezie- hung unterhalten und gemeinsam wirtschaften, ohne miteinander verheiratet zu sein,6 sind nicht erst Erscheinung unseres heutigen Lebenswandels. Historisch gesehen hat es diese Art der Paarbeziehungen im westlichen Kulturkreis, ange- fangen von den Nebenfrauen des Alten Testaments bis hin zur sog. „Ehe zur linken Hand“ 7, schon immer gegeben. Allerdings galt das nichteheliche Zusam- menleben über alle Zeitalter hinweg als nachrangige Form für Paare, denen die Ehe aus rechtlichen, sozialen oder wirtschaftlichen Gründen verschlossen blieb.8 Das öffentliche Zusammenleben nicht miteinander verheirateter Paare war bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts gesellschaftlich verpönt und häufig auch rechtlich sanktioniert.9 Noch härter traf es bis in das 20. Jahrhundert hinein das homosexuelle Zusammenleben, welches von Öffentlichkeit und Staat lange Zeit als unmoralisch angesehen und sogar unter Strafe gestellt wurde. Noch im Jahre 1957 hatte das BVerfG homosexuelle Betätigung als Verstoß gegen das Sittengesetz eingestuft und das Fortbestehen der bestehenden Straf- barkeit männlicher Sexualität gebilligt.10 6 Definition der nichtehelichen Lebensgemeinschaft aus soziologischer Sicht; vgl. Hausmann, in: Hausmann/Hohloch, Ne. Lebensgemeinschaft, S. 48 Rn. 1; Nave-Herz, FPR 2001, 3; zur Definition aus rechtlicher Sicht 1. Teil, B., II. 7 Die in § 110 des Allgemeinen Gesetzbuches für die preußischen Staaten aus dem Jahre 1791 geregelte „Ehe zur linken Hand“ erlaubte es Adeligen, neben der Ehe unstandesgemäße Ver- bindungen zu führen, dazu Schreiber, Ne. Lebensgemeinschaft,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.