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Russische Rechtsgeschichte: Texte und Erläuterungen

Teil 1: Von den Anfängen bis 1612/13

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Günter Baranowski

Dieser Band vermittelt eine Auswahl von Texten, die für die russische Rechtsentwicklung wesentlich sind. Auf den Fundamenten der Kirchenstatuten Vladimirs und Jaroslavs sowie der Kurzen und der Erweiterten Pravda erheben sich die Gerichtsurkunden von Pskov und Novgorod, die Gerichtsbücher ( Sudebniki) von 1497 und 1550 sowie das Kirchenrechtsbuch ( Stoglav) von 1551. Zahlreiche Normativ- und Individualakte, Herrscherverträge und -testamente, Immunitäts- und Privilegienurkunden, Gerichtsurteile, private Testamente, rechtsgeschäftliche Urkunden u.a. lassen die Vielfalt der rechtlichen Formen und Inhalte erkennen. Die weitaus meisten der 120 Texte sind erstmals in die deutsche Sprache übersetzt. Die Anmerkungen sollen es erleichtern, den Problemgehalt der Texte zu verstehen. Auf diesen Grundlagen ist es möglich, in die Eigentums- und Machtverhältnisse, in die soziale Struktur der Bevölkerung, in die zentrale und regionale Administration, in das Leben der Stadt- und Landgemeinden, in die Ehe- und Familienverhältnisse, in die Zuständigkeiten und Verfahren der weltlichen und geistlichen Gerichte und in viele andere Lebensbereiche in Russland einzudringen. Dem Band liegt eine CD mit Artikel-Kommentaren zu Kurzer Pravda, Erweiterter Pravda, Gerichtsurkunde von Pskov, Sudebnik 1497 und Sudebnik 1550 bei.

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II. Texte aus der Zeit der beginnenden "Sammlung der russischen Länder" durch Moskau (1240-1471)

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98 II. Texte aus der Zeit der beginnenden „Sammlung der russischen Länder“ durch Moskau (1240-1471) Prägte sich das russische Recht bisher durch innere Triebkräfte und innere gesellschaftliche Bedin- gungen, so verändert sich dies im 13. Jh. nicht unwesentlich. Weite Teile der Rus’ geraten, beginnend 1240, unter die Oberhoheit der mongolisch-tatarischen Khane der Goldenen Horde. Diese Herrscher verändern nicht das Machtsystem in der Rus’, errichten auch keine neue Verwaltungsorganisation. Sie nehmen sich jedoch das Recht, die Fürsten, auch die Großfürsten, zu ernennen. Jeder russische Fürst muss in der Hauptstadt Saraj an der Unteren Wolga erscheinen, um eine Urkunde (jarlyk) auf die Herrschaft zu erhalten. Die Großfürsten werden damit zu Vasallen der Khane. Da es sich wesentlich um eine Tributherrschaft und um eine Personalhoheit handelt, bleiben die Auswirkungen auf das rus- sische Recht gering, zumindest in der ersten Zeit. Die Khane mischen sich kaum in die inneren Ver- hältnisse der Russen ein. Indes verschärfen sich die zentrifugalen Tendenzen, die in der Kiever Rus’ bereits im ersten Drittel des 12. Jh. eingesetzt haben, erheblich. Das Reich zersplittert und regionali- siert sich. Bereits 1169 hörte Kiev auf, Hauptstadt zu sein. Andrej Bogoljubskij nahm den Großfürs- tentitel nach Norden mit, in seine Residenz Bogoljubovo bei Vladimir an der Kljazma. Der Gedanke der Reichseinheit schwächt sich weiter ab. Es entsteht eine Art von Konföderation von Ländern (zem- li), von Fürstentümern: Rostov(Vladimir’)-Suzdal’, Smolensk, Rjazan’,...

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