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Ökonomische Analyse des Betrugs in gegenseitigen Vertragsverhältnissen

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Jan-Philipp Rock

Die Arbeit wurde mit dem Promotionspreis der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Hamburg zur Förderung herausragenden wissenschaftlichen Nachwuchses ausgezeichnet.

Der Betrugsstraftatbestand gehört zu den meistdiskutierten Vorschriften des deutschen (Wirtschafts-)Strafrechts. Trotz der Fülle an Rechtsprechung und Literatur fehlt jedoch eine Erörterung aus ökonomischer Sicht: Die juristischen Abhandlungen erschöpfen sich in Fragen der Gesetzesauslegung, verbunden mit gelegentlichen rechtspolitischen Empfehlungen. Wird hingegen das Thema Betrug in den Wirtschaftswissenschaften behandelt, so im Rahmen realitätsferner Konzepte, die Juristen bei den von ihnen geforderten Entscheidungen wenig helfen. Gerade aber die Methodik der Ökonomen könnte den Juristen vor Augen führen, welche ökonomischen Anreize und gesellschaftlichen Konsequenzen die Entscheidung für die eine oder die andere Rechtsauffassung mit sich bringt. In dieser Forschungslücke verbindet diese Arbeit Erkenntnisse der Informationsökonomik mit der juristischen Diskussion um den Betrugsstraftatbestand.

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Teil 4: Zusammenfassung der Ergebnisse

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1. „Betrug“ wird in den Wirtschafts- und Rechtswissenschaften unterschiedlich definiert und wissenschaftlich aufgearbeitet. Während wirtschaftswissenschaftli- che Ansätze auf einem hohen Abstraktionsniveau die Wirkung von Betrug auf die Funktionsfähigkeit von Märkten analysieren und hieraus Empfehlungen zur Steigerung der gesamtgesellschaftlichen Wohlfahrt ableiten, rankt sich die juri- stische Diskussion um die nach den gängigen Auslegungsmethoden „zutreffen- de“ Anwendung des vom Gesetzgeber geschaffenen Betrugsstraftatbestands auf Einzelfälle. 2. „Betrug“ im strafrechtlichen Sinne setzt aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht immer eine Informationsasymmetrie zwischen dem Täter und dem Opfer voraus. Vollständige Informationen über die wesentlichen Umstände sind Vor- aussetzung funktionierender Transaktionen, Märkte und Verträge. Da ein voll- kommenes Informationsniveau nur in der Theorie existiert, geht es in der Reali- tät darum, unter der Berücksichtigung von Informationsbeschaffungskosten ein optimales (unvollständiges) Informationsniveau herzustellen. Die Auswirkungen asymmetrischer Informationen können in zeitlicher Hinsicht als Probleme der „adverse selection“ (ex-ante) und des „moral hazard“ (ex-post) beschrieben werden; in gegenständlicher Hinsicht kann nach der Höhe der Überprüfungsko- sten zwischen Inspektions-, Erfahrungs- und Glaubensgütern unterschieden werden. Betrug im Rahmen von Vertragsverhältnissen ist regelmäßig ein Fall von ex-ante Informationsasymmetrien und damit ein Problem der „adverse se- lection“; in gegenständlicher Hinsicht tritt Betrug zumeist bei Erfahrungs- und Glaubensgütern auf, da die Überprüfungsmöglichkeiten der Nachfrager dort mit höheren Kosten verbunden sind. Durch asymmetrische Informationen und Be- trug erhöhen sich Transaktionskosten auf Märkten, denn sowohl Anbieter als auch Nachfrager werden Aufwendungen t...

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