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Der traurige Clown

Kurt Tucholskys Weg in das Schweigen

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Michael Segner

Kurt Tucholsky war einer der bekanntesten und wichtigsten politischen Publizisten und Satiriker der Weimarer Republik. Seine Beiträge entlarvten die Machenschaften der konservativen preußisch-deutschen Eliten in Politik, Justiz und Militär, die mit Hartnäckigkeit daran arbeiteten, die ungeliebte Demokratie zu einer Farce werden zu lassen. Tucholsky konnte mit den Tausenden von Beiträgen, die er während der kurzen Jahre der Weimarer Zeit in den unterschiedlichsten Zeitungen veröffentlichte, jedoch nicht den Rechtsruck und schließlich das Abgleiten in die Diktatur verhindern. Desillusioniert von der Wirkungslosigkeit seines Engagements für Demokratie, Menschenrechte und Gerechtigkeit verstummte der Autor und wählte schließlich, im Bewusstsein seines völligen Versagens, den Suizid. In dieser Veröffentlichung wird Tucholskys Weg in das Schweigen nachgezeichnet und den Gründen für sein Verstummen nachgegangen, welche nicht allein in dem Gefühl der Hoffnungslosigkeit zu suchen sind.

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7. Zusammenfassung

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Ausgangspunkt meiner Untersuchung war die Tatsache, dass einer der bekann- testen und wichtigsten politischen Publizisten und Satiriker der Weimarer Re- publik, der so eindringlich vor dem aufkommenden Faschismus gewarnt hatte, sich scheinbar plötzlich dem Kampf versagte und als Publizistik und als Autor verstummte. Tucholsky war ein äußerst rühriger und zugleich vielseitiger Schriftsteller, der in den führenden Printmedien der Weimarer Republik omni- präsent war; in seiner aktivsten Zeit veröffentlichte er immerhin über zweihun- dert Artikel pro Jahr. Er engagierte sich zudem politisch im Friedensbund der Kriegsteilnehmer, in der Liga für Menschenrechte, im Schutzverband Deutscher Schriftsteller und gehörte zu den Mitunterzeichnern für den Republikanischen Reichsbund. Tucholsky war der Autor der Bestseller Rheinsberg. Ein Bilder- buch für Verliebte sowie Schloß Gripsholm und veröffentlichte den Reisebericht Ein Pyrenäenbuch. Innerhalb weniger Jahre erschienen drei von ihm selbst zu- sammengestellte Sammelbände mit seinen Artikeln, und das berüchtigte Werk Deutschland, Deutschland über alles. Er verfasste aber auch Gedichte, Märchen, Dramen und sogar Chansons. Auch heutzutage ist er eine moralische Instanz, bekannt für politisch brisante Aussagen wie „Soldaten sind Mörder“. Er ist zu einem Leitbild und einer Vorbildfigur für viele politisch engagierte Menschen geworden. Kaum ein Feuilleton kommt auch heute noch ohne eines der Tuch- olsky-Zitate aus, die es ja für so ziemlich jede Gelegenheit und Situation zu ge- ben scheint. Dem breiten Publikum ist er wegen seiner Chansons und seiner Liebesprosa, die, im Falle von Schloß Gripsholm, mit...

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