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Ze lere den tumben

Hartmanns ‘Rede vom heiligen Glauben’

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Christine Kühn

Die Arbeit wurde mit dem Promotionspreis der Fakultät für Geisteswissenschaften der Universität Duisburg-Essen ausgezeichnet.

Diese Studie liefert erstmalig eine umfassende systematische Untersuchung und Bewertung der ‘Rede vom heiligen Glauben’ des Armen Hartmann. Eine zeit- und theologiegeschichtliche Einbettung verdeutlicht die Eigenständigkeit seiner volkssprachigen Erläuterung und Kommentierung des Credo sowie seine Konzessionen an den Zeitgeist. Die detaillierte Analyse entwirft das Bild eines theologisch versierten Autors, der in seinem vielfach unterschätzten Werk theologisch-ethische Sachkunde mit der Kenntnis aktueller Streitfragen verbindet und sie für ein Laienpublikum didaktisch aufbereitet. Hartmanns Werk erlaubt einen tiefen Einblick in den Gegenstandsbereich der mittelalterlichen theologischen Breitenbildung und eröffnet eine neue Sichtweise der frühmittelhochdeutschen ‘geistlichen Literatur’ des 11. und 12. Jahrhunderts.

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1 Der literarhistorische Rahmen

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Der 'arme Hartmann' und seine 'Rede vom heiligen Glauben' liegen ein wenig abseits der ausgetretenen Pfade der mittelhochdeutschen Literaturgeschichte. Verglichen mit der erzählerischen Lebhaftigkeit der mittelhochdeutschen Dra­ men und Epen wirken die Inhalte der frühmittelhochdeutschen geistlichen Dich­ tung auf den ersten Blick wenig inspirierend und trocken. Ihre Zuweisung zur 'deutschsprachigen geistlichen Literatur des 11. und 12. Jahrhunderts' stand zwar außer Frage, die literarische Kategorisierung dieses umfangreichen Korpus von über 80 Texten verschiedenster Art1 hat die germanistische Forschung allerdings vor "nicht geringe Schwierigkeiten"2 gestellt. Im Gegensatz zu Minnelyrik, Ar­ tusepik oder Schwankdichtung erwies sich diese Sammelkategorie angesichts der Vielfalt von Inhalten und Formen als sehr uneinheitlich. Dies führte zur Zer­ splitterung in zahlreiche literarische Groß- und Untergruppen wie Bibelepik, Le­ genden- und Mariendichtung, Gebete, Sündenklagen, Buß- und Sittenpredigten, eschatologische Dichtungen, Auslegungen des Vaterunsers, liturgische Erörte­ rungen sowie Abhandlungen eher dogmatischer Natur, wobei sich die Zuord­ nung einzelner Werke oft als problematisch zeigte.3 Allen Dichtungen gemein­ sam ist die Belehrung über Inhalte des Glaubens und/oder die Unterweisung in ethischer Lebensführung. Auch Hartmanns Werk wurde – je nach Blickwinkel – unterschiedlich verortet (s.u.). Eine eingehende Betrachtung der deutschsprachigen geistlichen Literatur aus theologischer Sicht ist bislang unterblieben. Die theologische Ideengeschichte orientierte sich zumeist an den theologisch-philosophischen Größen der Zeit, wie z.B. Berengar von Tours († 1088), Petrus Abaelard († 1142), Gilbert von Poitiers / Porré († 1154) und Petrus Lombardus († um 1160), oder richtete ihr In­ teresse auf Vertreter und Werke, die eine umfangreiche Rezeption erfahren ha­ ben....

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