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Ze lere den tumben

Hartmanns ‘Rede vom heiligen Glauben’

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Christine Kühn

Die Arbeit wurde mit dem Promotionspreis der Fakultät für Geisteswissenschaften der Universität Duisburg-Essen ausgezeichnet.

Diese Studie liefert erstmalig eine umfassende systematische Untersuchung und Bewertung der ‘Rede vom heiligen Glauben’ des Armen Hartmann. Eine zeit- und theologiegeschichtliche Einbettung verdeutlicht die Eigenständigkeit seiner volkssprachigen Erläuterung und Kommentierung des Credo sowie seine Konzessionen an den Zeitgeist. Die detaillierte Analyse entwirft das Bild eines theologisch versierten Autors, der in seinem vielfach unterschätzten Werk theologisch-ethische Sachkunde mit der Kenntnis aktueller Streitfragen verbindet und sie für ein Laienpublikum didaktisch aufbereitet. Hartmanns Werk erlaubt einen tiefen Einblick in den Gegenstandsbereich der mittelalterlichen theologischen Breitenbildung und eröffnet eine neue Sichtweise der frühmittelhochdeutschen ‘geistlichen Literatur’ des 11. und 12. Jahrhunderts.

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3 Hartmann und sein Rezipientenkreis

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Über Hartmanns Rezipientenkreis besteht in der Forschung große Einmütigkeit. Hartmanns Publikum wird bisher in erster Linie in Adelskreisen85 vermutet, "nur dort dürfte das intellektuelle und literarische Niveau vorhanden gewesen sein, das eine Rezeption ermöglichte."86 Eine erhöhte Nachfrage nach theologischen Inhalten sieht man vor allem bei klösterlichen Dienstmannen und Konversbrü­ dern.87 Im Folgenden soll der Frage nachgegangen werden, ob neben diesem klösterlichen bzw. adligen Umfeld auch andere Gruppierungen als potenzielle Klientel in Frage gekommen sein könnten. 3.1 Unterweisung in der Muttersprache Hartmann tritt mit dem Anspruch an, den Gläubigen die Glaubensinhalte, die der sonntäglichen Messfeier zugrunde liegen, näherzubringen und zu erläutern. Er will ihnen den lateinischen Credo-Gesang der Priester verständlich machen (den glouben alle sunnentage / singent gewisse / di paffen zo der misse [V. 14-16]). Hartmanns Belehrung erfolgt daher zwangsläufig in der Volkssprache (mit du­ tiscer zungen [V. 21], in dutiscer scrifte [V. 1636], daz sprichit in dutiscem [V. 2911]). Er bedient sich bewusst der deutschen Sprache zum Zwecke der effizien­ teren Unterweisung (mit dutiscer zungen / ze lere den tumben [V. 21f.]). Der Verfasser der Rede will erklärtermaßen dazu beitragen, dass auch die 'Ungebil­ deten', die theologischen Laien, den liturgischen Gehalt der Messe verstehen (den glouben alle sunnentage […] / von dem selben glouben woldich sprechen [V. 14-19]) und ihr folgen können. Hartmann wünscht sich für seine Ausführun­ gen, dass sie für sein Publikum fruchtbringend werden (daz si...

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