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Ze lere den tumben

Hartmanns ‘Rede vom heiligen Glauben’

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Christine Kühn

Die Arbeit wurde mit dem Promotionspreis der Fakultät für Geisteswissenschaften der Universität Duisburg-Essen ausgezeichnet.

Diese Studie liefert erstmalig eine umfassende systematische Untersuchung und Bewertung der ‘Rede vom heiligen Glauben’ des Armen Hartmann. Eine zeit- und theologiegeschichtliche Einbettung verdeutlicht die Eigenständigkeit seiner volkssprachigen Erläuterung und Kommentierung des Credo sowie seine Konzessionen an den Zeitgeist. Die detaillierte Analyse entwirft das Bild eines theologisch versierten Autors, der in seinem vielfach unterschätzten Werk theologisch-ethische Sachkunde mit der Kenntnis aktueller Streitfragen verbindet und sie für ein Laienpublikum didaktisch aufbereitet. Hartmanns Werk erlaubt einen tiefen Einblick in den Gegenstandsbereich der mittelalterlichen theologischen Breitenbildung und eröffnet eine neue Sichtweise der frühmittelhochdeutschen ‘geistlichen Literatur’ des 11. und 12. Jahrhunderts.

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4 Voruniversitäres Bildungswesen im Hochmittelalter

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Die Theologie der Zeit Hartmanns ist von einer Vielzahl größerer und kleinerer Streitigkeiten geprägt. Neben die religiösen Volkshäresien tritt verstärkt die ge­ lehrte Häresie eines Berengar von Tours, Petrus Abaelard, Gilbert von Poitiers und Petrus Lombardus, durchweg renommierte Theologen ihrer Zeit. Die Theo­ logie der Epoche ist gekennzeichnet von einem Neben-, Mit- und Gegeneinan­ der unterschiedlicher methodischer Zugänge. In der Forschung haben sich für die beiden einander widerstreitenden Hauptrichtungen die etwas problemati­ schen Begriffe der Scholastik und Monastik durchgesetzt.155 Als theologische Methode umfasst die Scholastik das gesamte Mittelalter, 11. und 12. Jahrhundert werden den Phasen der Vor- und Frühscholastik zugerechnet. Das scholastische Denken entwickelte sich aus dem Bedürfnis heraus, Theologie zu durchdringen und zu reflektieren. Die scholastische Theologie ist zum Teil durch detailverlieb­ te Diskussionen um Einzelfragen gekennzeichnet. Die monastische Theologie mit ihrer Hochschätzung der kirchlich verbürgten Autoritäten hingegen wird ten­ denziell als traditionell und eher 'bewahrend' charakterisiert. Die Bildungsland­ schaft der Zeit ist jedoch vielgestaltiger. Die theologische Lehre befindet sich in den Händen der Klöster, 'Hohen Schulen' wie auch reisender Scholaren. Vom Aufkommen neuer Themen und Ideen bis hin zu ihrer didaktischen Ver­ mittlung in breitere Bevölkerungsschichten führt ein langer Weg: Am Anfang steht die in lateinischer Sprache geführte Diskussion der theologischen 'Eliten' über bestimmte Problemfelder, die z.B. der kirchlichen bzw. religiösen Praxis oder einer konkreten Konfliktsituation entspringen. In diesem Zusammenhang sei paradigmatisch auf die Abendmahls-Auseinandersetzung zwischen Berengar von Tours...

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