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Ze lere den tumben

Hartmanns ‘Rede vom heiligen Glauben’

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Christine Kühn

Die Arbeit wurde mit dem Promotionspreis der Fakultät für Geisteswissenschaften der Universität Duisburg-Essen ausgezeichnet.

Diese Studie liefert erstmalig eine umfassende systematische Untersuchung und Bewertung der ‘Rede vom heiligen Glauben’ des Armen Hartmann. Eine zeit- und theologiegeschichtliche Einbettung verdeutlicht die Eigenständigkeit seiner volkssprachigen Erläuterung und Kommentierung des Credo sowie seine Konzessionen an den Zeitgeist. Die detaillierte Analyse entwirft das Bild eines theologisch versierten Autors, der in seinem vielfach unterschätzten Werk theologisch-ethische Sachkunde mit der Kenntnis aktueller Streitfragen verbindet und sie für ein Laienpublikum didaktisch aufbereitet. Hartmanns Werk erlaubt einen tiefen Einblick in den Gegenstandsbereich der mittelalterlichen theologischen Breitenbildung und eröffnet eine neue Sichtweise der frühmittelhochdeutschen ‘geistlichen Literatur’ des 11. und 12. Jahrhunderts.

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9 Sakramentenverständnis

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9.1 Definition, Anzahl und Gültigkeit der Sakramente Erstaunlicherweise bietet Hartmann eine eigene Definition von Sakrament: Sa­ kramente sind geistliche Dinge, die um der Menschen willen existieren (Di geistlichen dinc / di durh menscen drane sint, / di heizent sacramenta [V. 1165- 1167]). Das mittelhochdeutsche Adjektiv 'geistlich' kann mit unterschiedlichen Akzentuierungen verwendet werden und erlaubt mehrere Deutungen: einmal die Hervorhebung Gottes als Urheber, das Sakrament als von Gott 'geschaffene, aus­ gehende oder bewirkte'641 (nicht weltliche) Sache, oder zweitens die Betonung der Heiligkeit der Sakramente als 'mit göttlichem Geist versehene'642 und in Got­ tes Sphäre gehörende Dinge. Hartmann bedient sich beider Vorstellungen. Er deutet die Sakramente als Hilfsmittel Gottes (Wand der goteliche rat / di durh menscen drane stat [V. 1173f.]), sie basieren nicht auf menschlicher, sondern göttlicher Weisheit (der newart nie gedaht / von menscen vore braht, / von men­ sclicher wisheit [V. 1175-1177]). Gott selbst bringe sie auf die Erde herab (got selbe den rat gedahte, / von dem himele er in brahte / her nider zo der erden [V. 1179-1181]), von ihm beziehen sie ihre Wirksamkeit. Er hat uns selbst aufgetra­ gen, sie zu empfangen (di uns Crist hat geheizen [V. 1172]). Hartmann nennt ex­ plizit nur zwei Sakramente: Taufe und Eucharistie. Ihre Sonderstellung erklärt er mit ihrer Einsetzung durch Jesus. Als Schriftbeweis führt er den neutestamentli­ chen Taufbefehl an (daz er unsich hiez toufen [V. 913]; s. Mt 28,18-20) und refe­ riert die eucharistischen Einsetzungsworte Jesu beim letzten Abendmahl (V....

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