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Der Streit um das Gottesbild des leidenden Israeliten

Monotheismus und Theodizeefrage in ausgewählten Klagepsalmen des Einzelnen

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Il-Rye Lee

Die Arbeit untersucht die wichtige Rolle der Klagepsalmen für die Entwicklung des monotheistischen Glaubens an JHWH. Die Klagen der ausgewählten Psalmen sind nur selten als eine Möglichkeit angesehen worden, die zum Verstehen der Genese des Monotheismus und der Theodizeefrage beitragen könnte. Doch wenn man ihr Gottesbild untersucht, wird deutlich, dass es vom Streit um die Göttlichkeit JHWHs geprägt ist. Sichtbar wird, dass ein von Not getroffener Mensch nicht nur seine Schreckensstarre als Reaktion auf die Gottesvorstellung der Feinde, sondern auch seinen Gotteszweifel überwindet, denn durch seine insistierende und unbeirrbare Treue zu JHWH entwickelt er ein neues Gottesbild. Dieses ist monotheistisch geprägt, und obwohl es die immanenten Linien der traditionellen Gottesvorstellung auszieht, geht es über sie deutlich hinaus.

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Einleitung

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A) Das Problem 1. Die Gottesfrage stellt sich dem leidendenden Menschen sehr existentiell1 und „[d]ie Aktualität dieser Frage ist ungebrochen - gerade auch für die christliche Theologie. Die Theodizeefrage: Wie kann der christliche Gott Leiden zulassen? bzw.: Wie sind die Erfahrungen von Leid und Übel mit der Güte und Liebe Got- tes so zusammenzudenken, dass nicht diese Liebe und Güte gestrichen werden muss?- das sind die jederzeit bedrängenden Fragen.“2 Angesichts unschuldig Leidender verliert die Vorstellung der Gerechtigkeit Gottes rasch an Plausibilität und die Erfahrung ungerechten, maßlosen Leidens führt zur radikalen Anklage gegen den allmächtigen Schöpfer.3 Bei H. Heine (1797-1856) wird die Krank- heits- und Schmerzerfahrung zur Erfahrung Gottes als Abgrund.4 Er problemati- siert Gottes Güte und Allmacht angesichts einer Schöpfung voller eklatanter Widersprüche und befragt Gott nach dessen Schuld, nach seiner letzten Verant- wortung für die Verhältnisse in Schöpfung und Geschichte.5 Allerdings gilt dies nur für den späten kranken Heine, denn dem jungen Gesunden stellte sich die Frage nicht, denn dieser will vielmehr die Menschheit vergöttlichen und feiert als Pantheist die Materie und Sinnlichkeit.6 Doch der Kranke in seiner „Matrat- 1 Beispielsweise E.-M. Faber (Hg.), Warum? Der Glaube vor dem Leiden, Schriftenreihe der Theologischen Hochschule Chur 2, Freiburg Schweiz 2003; K. J. Lesch/ M. Saller (Hg.), Warum, Gott ...?, Vechtaer Beiträge zur Theologie 2, Osnabrück 1993; J. Shay, Achill in Vietnam. Kampftrauma und Persönlichkeitsverlust, 1994, Mit...

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