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Satz und Text

Zur Relevanz syntaktischer Strukturen zur Textkonstitution

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Edited By Jozef Wiktorowicz, Anna Just and Ireneusz Gaworski

In diesem Band sind 21 (zum Teil erweiterte) Referate enthalten, die anlässlich der Internationalen Tagung zum Thema «Satz und Text. Zur Relevanz syntaktischer Strukturen zur Textkonstitution» vom 21. bis 23. September 2011 an der Universität Warschau gehalten wurden. Das Hauptthema der Tagung war die Relevanz syntaktischer Strukturen zur Textkonstitution, daher konzentrieren sich die Beiträge auf die Analyse solcher syntaktischen Elemente, die auf der Satz- und Textebene in verschiedenen Textsorten eine textverknüpfende Funktion haben. Gegenstand der Analyse sind unterschiedliche Textsorten und Textgattungen. Als empirische Grundlagen dienen hier neben religiösen Texten auch chronikalische Aufzeichnungen, Ratsprotokolle, Privatbriefe adliger Frauen und literarische Texte. Die meisten Beiträge konzentrieren sich auf die frühneuhochdeutsche Periode, in drei Beiträgen steht die althochdeutsche Periode im Zentrum der Analyse und drei weitere Beiträge behandeln die syntaktischen Strukturen in der neuhochdeutschen Zeit.

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Zur Numerusopposition ther liut vs thie liuti bei Otfrid

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Delphine Pasques (Paris) Bei O tfrid bezeichnet die singularische NG ther liut entweder das Volk, oder irgendei­ ne Menschenmenge, w ie es Erdmann formuliert : „D er Singular [ther liu t] bezeichnet stets eine M enge von M enschen, die entw eder regellos an einen O rt zusam m engeström t sind, oder B ew ohner e iner bestim m ten L andschaft sind, oder auch ein ganzes durch S tam m esverw andtschaft unter sich verbundenes V olk b il­ den“ (E rdm ann 1973 Teil 2 §27). Diese Belege singularischer NG m it Basis liut sind Grimm nach ab dem 15. Jh. sehr selten - dann überwiegt der Plural : „der singulare collectivbegriff des w ortes hält sich nur sehr spärlich über das m hd. hinaus: viel la n d u n d le u ts , Luther ; bair.: das leu t ,das v o lk ’“ (G rim m Bd. 12 S.838). Interessant ist in Otfrids Evangelienbuch einerseits, dass der Autor das Lexem liut als Basis von Nominalgruppen im Singular und im Plural verwendet. Noch interessanter erweist sich die Tatsache, dass diese beiden Sequenzen auch innerhalb einer bestim m ­ ten Anaphernkette vorkommen, d.h. um dasselbe Referenzobjekt zu bezeichnen. In der Episode der Brotvermehrung zum Beispiel bezeichnet Otfrid die anwesende M en­ schenmenge entweder m it ther liut, oder m it thie liuti. Die NG im Plural bezeichnet somit keinesfalls eine Pluralität von M enschenmengen, w ie m an es von dem Übergang vom Singular ther liut...

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