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Das kinematographische Werk von Alain Tanner oder die philosophische Reise

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Marie Minot

Inwiefern ist das Werk des Genfer Regisseurs Alain Tanner (geboren 1929) für eine Philosophie der Reise relevant? Sein fiktionales Langfilmschaffen handelt von der reisenden oder sesshaften, stets aber unruhigen Suche nach einem besseren, im wörtlichen Sinne utopischen Leben. Stark geprägt von den fortschrittlichen Gedankenströmungen der 1960er Jahre und insbesondere von dem in diesen Jahren stärker rezipierten Brechtschen Ansatz hat er darin sowohl das Was (Was für ein Leben wollen wir führen? An welchem Ort?) als auch das Wie (der Entstehungs- und Wirkungsweise des filmischen Mediums) reflektiert. Seine Hinterlassenschaft ist eine aktuell gebliebene Anregung, ja sogar eine weltgewandte und welt-wandlerische Schule des subversiven Sehens und Denkens.

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Philosophische Reise? Philosophie und Reise? Ein Prolegomenon

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Reiseliteratur ist längst eine anerkannte literarische Gattung. In größeren Buchhandlungen gibt es dafür sogar ein eigens eingerichtetes Regal. Oli- vier Hambursin, im Vorwort des Buches Récits du dernier siècle des voyages, verweist auf das französische Forschungszentrum für Reiseliteratur (Centre de recherche sur la littérature des voyages), dessen Homepage 2004 bereits mehr als 760 Forscher zu diesem Thema registrierte2, und zitiert einige bekann- te Frankophone unter den vielen Reiseschriftstellern: Pierre Loti, Victor Segalen, Paul Morand, André Gide, Joseph Kessel, Blaise Cendrars, Michel Leiris, Henri Michaux, Raymond Roussel, Valery Larbaud, Claude Lévi- Strauss, Michel Butor, Jean-Marie Gustave Le Clézio, Jacques Lacarrière, Jacques Réda, Nicolas Bouvier.3 Ganz anders als mit den Reiseschriftstellern steht es mit den Reisephilo- sophen – der Ausdruck existiert noch nicht einmal –, oder den Philosophen der Reise. Dies wurde bereits von Ulrich Johannes Schneider thematisiert, einem der Herausgeber von Philosophie und Reisen, einem Sammelband mit den Beiträgen eines gleichnamigen Symposiums, das im März 1995 in Leipzig stattfand: Ob es vielleicht ihrer Sesshaftigkeit zuzuschreiben ist, warum sich die Philosophie mit dem Reisen bisher kaum eingehend beschäftigt habe? Das Reisen gelte in der Wissenschaft vor allem als ein Objekt der Kultur- und Literaturwissenschaften, nach und nach auch der Ökonomie und der Ökolo- gie. In dem von ihm auf diese Weise eingeleiteten Band wird gezeigt, dass das Reisen auch auf das Gebiet der Philosophie überführt werden kann.4 Der einleitende Teil meiner Untersuchung wird deshalb zunächst dar- in...

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