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Das kinematographische Werk von Alain Tanner oder die philosophische Reise

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Marie Minot

Inwiefern ist das Werk des Genfer Regisseurs Alain Tanner (geboren 1929) für eine Philosophie der Reise relevant? Sein fiktionales Langfilmschaffen handelt von der reisenden oder sesshaften, stets aber unruhigen Suche nach einem besseren, im wörtlichen Sinne utopischen Leben. Stark geprägt von den fortschrittlichen Gedankenströmungen der 1960er Jahre und insbesondere von dem in diesen Jahren stärker rezipierten Brechtschen Ansatz hat er darin sowohl das Was (Was für ein Leben wollen wir führen? An welchem Ort?) als auch das Wie (der Entstehungs- und Wirkungsweise des filmischen Mediums) reflektiert. Seine Hinterlassenschaft ist eine aktuell gebliebene Anregung, ja sogar eine weltgewandte und welt-wandlerische Schule des subversiven Sehens und Denkens.

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„Das einzige Land, das ich wirklich liebe, ist das Meer“

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MESSIDOR (Erntemonat) (1979) Exposé. Jeanne (gespielt von Clémentine Amouroux) ist Geschichtsstu- dentin in Genf. Sie fühlt sich während einer Prüfungsvorbereitungszeit in ihrer Wohnung eingeengt und möchte für ein paar Tage wegfahren. Marie (gespielt von Catherine Réthoré) arbeitet als Verkäuferin in einer Klein- stadt des Waadtlands und ist nach einem Besuch bei ihrem Vater auf dem 459 Goldmann: L’Errance dans le cinéma contemporain, S. 63. 460 Duras: Le Camion, S. 21. „Sie sagt: Schauen Sie: Das Ende der Welt. / Die ganze Zeit. / In jedem Augenblick. / Überall. / Es weitet sich aus. / Sie sagt: Ja, es ist besser so. / Es war so schwierig... so... anstrengend... so... / Es ist besser so.“ (Duras: Der Lastwagen, S. 15.) 461 Duras: Le Camion, S. 22. „Sie hätte von mancherlei geredet, von der geographischen Lage der durchquerten Ort- schaften, vom Ende der Welt, vom Tod, von der Einsamkeit der Erde im Planetensystem, von den neuen Entdeckungen über den Beginn der Menschheit. / Diese Reden seien nie aus genauer Kenntnis des aufgeworfenen Problems gehalten worden. Sie hätte Feh- ler [...] gemacht.“ (Duras: Der Lastwagen, S. 16.) 137 Rückweg in Richtung Lausanne. Die beiden begegnen sich zufällig, als sie am Genfer Stadtrand versuchen, per Anhalter mitgenommen zu werden. Sie freunden sich an und entscheiden bereits am nächsten Tag, noch eine Weile gemeinsam weiterzufahren. Doch sie erleben schnell einen ersten Rückschlag: zwei Männer, die sie in ihrem Auto mitgenommen...

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