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Herodots Wege des Erzählens

Logos und Topos in den "Historien</I>

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Edited By Klaus Geus, Elizabeth Irwin and Thomas Poiss

Der griechische Geschichtsschreiber Herodot (5. Jh. v. Chr.) hat sich in den letzten Jahrzehnten aus einem Protohistoriker, der «zahllose Lügengeschichten» erzählt (so noch Ciceros Diktum), über einen geachteten, doch etwas naiven Vorläufer des Thukydides zu einem der wichtigsten antiken Autoren überhaupt entwickelt. Er genießt daher zu Recht die Aufmerksamkeit von Forschern aus den unterschiedlichsten Disziplinen. Trotzdem sind viele Aspekte der Herodot-Forschung umstritten, und von einer verbindlichen Sichtweise über den pater historiae, den «Vater der Geschichtsschreibung», scheint man weiter entfernt als jemals zuvor. Dieser Sammelband bildet das weite Spektrum moderner Perspektiven auf Herodot ab, ohne sich einer einzigen Forschungstendenz als Dogma zu verschreiben.

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Einführung

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Herodot hat sich in den letzten Jahrzehnten aus einem Protohistoriker, aus Ciceros bei allen Gelegenheiten stets gern zitiertem „pater historiae“, der letztlich dann doch „innumerabiles fabulas“ enthält,1 d. h. aus einem hochgeachteten, doch etwas naiven Vorläufer des Thukydides,2 zu einem der wichtigsten antiken Autoren über- haupt entwickelt und genießt die Aufmerksamkeit von Forschern aus den unter- schiedlichsten Disziplinen. Eine Fülle von Neuerscheinungen zu Herodot zeugt von diesem Interesse.3 Dies ist gut begründet, hat doch auch kein anderer Autor so viele Gegenstands- bereiche, Perspektiven und Fragestellungen in einem einzelnen Werk gebündelt wie Herodot: Die Geschichte der Perserkriege, deren Vorgeschichte und Verlauf, dazu ethnographische Berichte der daran auch nur am Rande beteiligten Völker, die Geographie, Topographie und Landeskunde der betroffenen Regionen, religiöse Vorstellungen und Traditionen (s. den Beitrag von Gian Franco Chiai [Berlin] in diesem Band), soziale Normen und Lebensformen (νόμοι) − dies zusammenge- nommen ergibt nicht weniger als die erste Darstellung der damals bekannten be- wohnten Welt, der politischen Geschichte und einer vergleichenden Kulturge- schichte des östlichen Mittelmeerraumes, der zudem um einen breiten Bogen von Skythien über Indien und Arabien (s. den Beitrag von Veronica Bucciantini [Flo- renz/Freiburg] in diesem Band) bis nach Schwarzafrika erweitert ist. Genau deshalb bietet sich Herodot auch an, im Kontext des Exzellenzclusters TOPOI4 Fragen der Raumwahrnehmung, der Konzeptionalisierung und der Dar- stellung von Raum in der frühgriechischen bzw. klassischen griechischen Literatur an seinem Material zu erörtern und zu überprüfen. 1 Cic. leg. 1, 5: Quippe...

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