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Herodots Wege des Erzählens

Logos und Topos in den "Historien</I>

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Edited By Klaus Geus, Elizabeth Irwin and Thomas Poiss

Der griechische Geschichtsschreiber Herodot (5. Jh. v. Chr.) hat sich in den letzten Jahrzehnten aus einem Protohistoriker, der «zahllose Lügengeschichten» erzählt (so noch Ciceros Diktum), über einen geachteten, doch etwas naiven Vorläufer des Thukydides zu einem der wichtigsten antiken Autoren überhaupt entwickelt. Er genießt daher zu Recht die Aufmerksamkeit von Forschern aus den unterschiedlichsten Disziplinen. Trotzdem sind viele Aspekte der Herodot-Forschung umstritten, und von einer verbindlichen Sichtweise über den pater historiae, den «Vater der Geschichtsschreibung», scheint man weiter entfernt als jemals zuvor. Dieser Sammelband bildet das weite Spektrum moderner Perspektiven auf Herodot ab, ohne sich einer einzigen Forschungstendenz als Dogma zu verschreiben.

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Marco Dorati - Scenari virtuali, pensiero controfattuale e nonpensiero nelle Storie di Erodoto

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123 Marco Dorati Scenari virtuali, pensiero controfattuale e non- pensiero nelle Storie di Erodoto∗ Zusammenfassung Abgesehen von den tatsächlich von Personen gedachten Gedanken, räumt Hero- dots Geschichtserzählung auch anderen, gleichsam ‘negativen’ Überlegungen Platz ein: Gedanken, die entweder niemals ausformuliert worden sind, oder zwar formu- liert wurden, aber nicht verwirklicht worden sind. Diese virtuellen Gedanken, die anderen Personen aber auch dem Erzähler zugänglich sein können, weisen einen unterschiedlichen Grad an Wahrscheinlichkeit auf: von der Quasi-Realität eines tat- sächlich formulierten Gedankens, der nur ganz knapp nicht verwirklicht wurde bis zur Beinahe-Unmöglichkeit eines Gedankens, der nie formuliert wurde. Es kann sich dabei um ein politisches oder rhetorisches Instrument einzelner Personen han- deln; darüber hinaus leisten ‘negative’ oder virtuelle Gedanken aber eine semanti- sche Anreicherung der historischen Realität, und genau dadurch bilden sie auch ein wertvolles Instrument für den Historiker: Um ein Ereignis zu verstehen, betrachtet er auch alternative Möglichkeiten, die nicht zur Verwirklichung kamen. Der Beitrag versucht dieses Phänomen im begrifflichen Rahmen der Possible Worlds Theory und der Text World Theory zu erfassen und betrachtet dabei drei Hauptthemen: Hypothe- tische Szenarien, die durch Figuren oder den Erzähler selbst entworfen wurden, und die, auch wenn sie nicht verwirklicht wurden, den Gang der Ereignisse beein- flusst haben; kontrafaktische Gedanken im engeren Sinn (unter besonderer Berück- sichtigung von Hdt. 7, 139); Nicht-Gedanken, d. h. Fälle, in denen der Erzähler Ge- danken äußert, die eine Person nicht gehabt...

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