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Herodots Wege des Erzählens

Logos und Topos in den "Historien</I>

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Edited By Klaus Geus, Elizabeth Irwin and Thomas Poiss

Der griechische Geschichtsschreiber Herodot (5. Jh. v. Chr.) hat sich in den letzten Jahrzehnten aus einem Protohistoriker, der «zahllose Lügengeschichten» erzählt (so noch Ciceros Diktum), über einen geachteten, doch etwas naiven Vorläufer des Thukydides zu einem der wichtigsten antiken Autoren überhaupt entwickelt. Er genießt daher zu Recht die Aufmerksamkeit von Forschern aus den unterschiedlichsten Disziplinen. Trotzdem sind viele Aspekte der Herodot-Forschung umstritten, und von einer verbindlichen Sichtweise über den pater historiae, den «Vater der Geschichtsschreibung», scheint man weiter entfernt als jemals zuvor. Dieser Sammelband bildet das weite Spektrum moderner Perspektiven auf Herodot ab, ohne sich einer einzigen Forschungstendenz als Dogma zu verschreiben.

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Klaus Geus - „Die größte Insel der Welt“: Ein geografischer Irrtum Herodots und seine mathematische Erklärung

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209 Klaus Geus „Die größte Insel der Welt“: Ein geografischer Irrtum Herodots und seine mathematische Erklärung Zusammenfassung Herodot bezeichnet in seinen Historien (1, 170, 2 u. ö.) Sardinien als „die größte In- sel der Welt“. Dieser Irrtum – in Wirklichkeit ist Sizilien größer – erklärt sich da- raus, dass in der Antike oft nicht die Fläche, sondern die Umfänge von Inseln und Regionen miteinander verglichen wurden (gemessen in Längeneinheiten wie „Tage- reisen“). Tatsächlich ist die Küstenlinie Sardiniens – auf Grund seiner langen Nord- Süd-Flanken – bei kleinerem Flächeninhalt etwas größer als die von Sizilien (sog. isoperimetrische Ungleichung). Ähnliche „Fehler“ wie Herodot begehen auch an- dere antike Autoren. Sie lehren, dass gerade in der archaischen Zeit die Raumwahr- nehmung bzw. -beschreibung „hodologisch“ an Küstenlinien, Straßen usw. ausge- richtet war. Abstract According to Herodotus (1, 170, 2 et al.) Sardinia is „the biggest island of the world“. In reality, this tag must be applied to Sicily. This error can be drawn on the ancient practise to gauge islands and regions not according to the area but to the circumference, measured in distance units as ‘day´s journey’. Because of its long northern-southern sides, the circumference of Sardinia is in fact greater than that of Sicily (the so-called isoperimetric principle). This ‘error’ is to be found not only in Herodotus´ Histories but in other ancient texts as well. This shows that the ‘hodolo- gic’ perception and description of space, especially in archaic times,...

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