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Herodots Wege des Erzählens

Logos und Topos in den "Historien</I>

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Edited By Klaus Geus, Elizabeth Irwin and Thomas Poiss

Der griechische Geschichtsschreiber Herodot (5. Jh. v. Chr.) hat sich in den letzten Jahrzehnten aus einem Protohistoriker, der «zahllose Lügengeschichten» erzählt (so noch Ciceros Diktum), über einen geachteten, doch etwas naiven Vorläufer des Thukydides zu einem der wichtigsten antiken Autoren überhaupt entwickelt. Er genießt daher zu Recht die Aufmerksamkeit von Forschern aus den unterschiedlichsten Disziplinen. Trotzdem sind viele Aspekte der Herodot-Forschung umstritten, und von einer verbindlichen Sichtweise über den pater historiae, den «Vater der Geschichtsschreibung», scheint man weiter entfernt als jemals zuvor. Dieser Sammelband bildet das weite Spektrum moderner Perspektiven auf Herodot ab, ohne sich einer einzigen Forschungstendenz als Dogma zu verschreiben.

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Wolfgang Will - Gelächter von Außen: Komik bei Herodot

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359 Wolfgang Will Gelächter von Außen: Komik bei Herodot Dem Andenken an Hermann Strasburger gewidmet Zusammenfassung Wenn die Protagonisten in Herodots Historien lachen, dann – so sagen uns die Kommentatoren – ist es niemals lustig. Gelächter zeigt fast immer die nahende Ka- tastrophe an. Dennoch gibt es Szenen im Werk, die für die Unterhaltung des Lesers mit Situationskomik unterlegt sind (6, 125; 6, 126–130). Diese finden sich nicht nur als Beiwerk zur historischen Haupthandlung, sondern auch an zentralen Stellen wie etwa auf dem Höhepunkt der Schlachtbeschreibung von Salamis. Die Geschichte von Artemisia, die wahrscheinlich in Halikarnassos im 5. Jh. v. Chr. entstanden ist und in der die Heldin sich selbst und ihr Schiff vor athenischen Verfolgern dadurch rettet, dass sie ein persisches Schiff rammt und in den Grund bohrt, beschreibt einen “Schelmenstreich”, der Lachen erzeugt – jedenfalls außerhalb Athens. Gleichzeitig ist die Artemisia-Episode eine, in der Herodots insgeheim mit Athen abrechnet. Der Historiker persifliert hier seine wichtigsten Quellen, die “Augenzeu- gen”: die Geschichte “funktioniert” nur deshalb, weil die betroffenen Parteien – Athener und Perser – genau das Gegenteil von dem zu sehen glaubten, was tatsäch- lich passiert ist. Abstract When the protagonists in Herodotus’ Histories laugh, the critics tell us, it’s no laugh- ing matter. Laughter almost always heralds catastrophe. Yet there are scenes for the reader’s amusement which are shot through with situation comedy (6, 125; 6, 126– 130). These can be found not just as asides in the main historical narrative but also at the...

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