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Von Tätern und Opfern

Zur medialen Darstellung politisch und ethnisch motivierter Gewalt im 20./21. Jahrhundert

Edited By Claudia Nickel and Silke Segler-Meßner

Im Zentrum dieses interdisziplinären Bandes steht die mediale Repräsentation von Täter- und Opfergemeinschaften. Die Auseinandersetzung mit den Folgen der Zerstörung menschlicher Gemeinschaft durch politisch und ethnisch motivierte Gewalt basiert dabei auf zwei Prämissen: Zum einen lassen sich in den unterschiedlichen Medien wiederkehrende Formen der Verletzung des Anderen und Darstellungsmuster erkennen, zum anderen befinden sich die medialen Inszenierungen des Täter-Opfer-Verhältnisses in einem Wechselverhältnis zu den nationalen und internationalen Reaktionen auf die evozierten Ereignisse. Auf innovative Weise greifen die Beiträge Impulse aus dem Bereich historischer Täterforschung in einer literatur- und medienwissenschaftlichen Betrachtungsweise auf. Die romanischen Kulturen bilden hier einen Schwerpunkt der Analysen.

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II. Täter- und Opferbilder im Kontext von Bürgerkriegen und ethnisch motivierten Konflikten

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Narrative des Sterbens. Spanische Todesanzeigen 70 Jahre nach dem Bürgerkrieg Albrecht Buschmann Der spanische Bürgerkrieg wie auch die Diktatur des Generals Francisco Franco sind gerade dabei, zum Teil des „kulturellen Gedächtnisses“1 zu werden. Im Jahr 2015 wird Francos Tod 40 Jahre zurückliegen und der Beginn des Bürgerkriegs bald 80 Jahre. Demnach wächst derzeit die zweite Generation Spanier heran, die die ebenso kollektive wie für jedes Kollektiv traumatische Erfahrung von „Ge- walt in sozialer Nähe“2 weder durch Erzählungen von Zeitzeugen aus erster Hand kennengelernt hat, noch in ihrem Wissen über die Vergangenheit von der Diskursmacht einer Diktatur eingeschränkt wurde. Denn seit den 1980er Jahren steht allen Nachgeborenen eine bis heute wachsende Zahl von Sachbüchern, Romanen, Theaterstücken und Filmen zur Verfügung, die die Recherche der kollektiven Vergangenheit, die Rehabilitation der zuvor 40 Jahre margina- lisierten Perspektive der Verlierer des Bürgerkriegs wie auch die metahistorio- graphischen Probleme solcher Such- und Rechtfertigungsnarrative zum Gegen- stand haben.3 Zu Beginn des Jahrtausends schließlich tauchten auch Erzählungen auf, die nach drei Jahrzehnten Transición symbolisch für eine Überwindung eines Memoria-Diskurses plädierten, der sich auf Seiten der politischen Linken vor allem als Gegendiskurs zu dem der Diktatur positionierte; exemplarisch kann hierfür der Bestsellererfolg von Javier Cercas’ Roman Soldados de Salamina (2001) stehen.4 Konnte man mit Blick auf das literarische Feld den Eindruck gewinnen, dass die Verarbeitung von Bürgerkrieg und Diktatur argumentativ wie formal aus- erzählt...

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