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Die Illusion eines guten Lebens

Kraft durch Freude und nationalsozialistische Sozialpropaganda

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Sascha Howind

Das Buch beschäftigt sich mit der Rolle der Freizeitorganisation «Kraft durch Freude» (KdF) als Propaganda- und Herrschaftsinstrument für das NS-Regime zwischen 1933 und 1939. Die Organisation KdF war ein halbstaatlicher, der «Deutschen Arbeitsfront» (DAF) angeschlossener Verband, mit dem der NS-Staat versuchte, ein «Geselligkeitsmonopol» und eine umfassende Verfügung und Kontrolle auf die arbeitsfreie Zeit der deutschen Bevölkerung durchzusetzen. Die KdF bildete ein Kernstück der NS-Sozialpropaganda, indem sie die Illusion des kollektiven sozialen Aufstiegs der deutschen Bevölkerung und der Einebnung von Klassenunterschieden verkörperte und verbreitete. Die Freizeitorganisation diente damit unmittelbar als Herrschaftsinstrument des NS-Staats.

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3. Das Prinzip „Kraft durch Freude“. Gemeinschaftsideologie in Betrieb und Freizeit

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Politik der „Volksgemeinschaft“ für die Arbeiterklasse? „Die Politik des Nationalsozialismus lässt sich zum Teil als ein Versuch verstehen, die Er- fahrungen vom August 1914 als permanenten Zustand zu reproduzieren und die Utopie einer durch rein gesinnungsmässige Bindungen zusammengehaltene Gesellschaft im politi- schen Bewusstsein zu verfestigen. Diese Utopie forderte jedoch praktische Bestätigung; ih- re Anhänger wollten die Erinnerung an einen erhabenen historischen Augenblick nicht nur an den Stammtischen Deutschlands wach halten, sondern sie positiv für einen zukünftigen erfolgreichen Weltkrieg nutzen. […] Angesichts der schwachen Ausgangsposition der NSDAP und angesichts des gesellschaftlich heterogenen Charakters ihrer ständig anwach- senden Wählerschaft, lag es für die Parteiführung nahe, den politischen Durchbruch allein der Stärke des weltanschaulichen Idealismus zuzuschreiben. Der dramatische Erfolg in den Wahlen schien zu bestätigen, dass antagonistische Interessen und feindliche Traditionen al- lein durch die Hingabe an eine übergeordnete Idee versöhnt werden konnten und dass die praktische Überzeugungskraft einer solchen Idee den Anstrengungen der eigenen Propa- ganda zu verdanken war“ (Mason 1977, S. 26f.). Im vorherigen Kapitel konnte unter anderem festgestellt werden, dass die Arbeiter- klasse von den gesellschaftlichen Verhältnissen im Dritten Reich nicht materiell profi- tieren konnten. Dabei ist zum Teil noch offen geblieben, welche gesellschaftlichen Gruppen vom NS-System zwischen 1933 und 1939 profitieren konnten, und zwar in materieller wie in symbolischer Hinsicht. Dieses Kapitel befasst sich mit den Grund- zügen der Gemeinschaftsideologie, die sich nach nationalsozialistischer Vorstellung vom Betrieb auf die Freizeit ausdehnen sollte. Der Betrieb...

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