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Poetiken des Auf- und Umbruchs

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Edited By Dagmar von Hoff, Monika Szczepaniak and Lena Wetenkamp

Der etymologische Bedeutungsgehalt der Worte Aufbruch und Umbruch ist nicht eindeutig und beinhaltet zum einen die kriegerischen Bedeutungen des Aufbruchs der Wunde und des Lagers. Zum anderen umfasst er aber auch positive Konnotationen wie den Aufbruch in eine neue Epoche und den Umbruch der Erde als Vorbereitung des Ackers auf neuen Ertrag. Die wissenschaftlichen Analysen nähern sich diesen Bedeutungen aus vielfältigen Perspektiven und zeigen, dass unterschiedliche Poeten des Auf- und Umbruchs diesen Zeitenwenden, Umbrüchen und Aufbruchsphänomenen in ihren Werken nachgehen. Die Namen der Schriftsteller reichen von Wolfram von Eschenbach, Georg Büchner, Anna Seghers, H. G. Adler, Yvan Goll, Wilhelm Furtwängler, Bertolt Brecht, Gertrud Kolmar, Elisabeth Langgässer, Paul Celan bis zu Andrzej Stasiuk.

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Vorwort

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Kann Literatur Zeiterfahrung wiedergeben oder ist sie sogar ihrer Zeit voraus? Die Schriftstellerin Katharina Hacker hat von einer Poetik gesprochen, die die „Auf- und Umbrüche des Lebens und Schreibens“ einfängt, die Form und Inhalt zugleich wäre und somit auch „Lebensanweisung“ sein könnte. Nur wenn in der Literatur sich unbekannte Stimmen erheben, die Gehör finden, kann es zu Auf- und Umbrüchen kommen. Die amerikanische Philosophin Martha Nuss- baum sieht die künstlerischen Disziplinen ebenfalls in der zunehmenden Pflicht, sich zu gesellschaftlichen Entwicklungen zu positionieren. Mit ihrer engagierten Schrift Not for Profit. Why Democracy needs the Humanities (2010) wird erneut die Sinnhaftigkeit der Geisteswissenschaften proklamiert; ja, es herrscht eine Art Umbruchs- und Aufbruchsstimmung. Die Geisteswissenschaften umkrei- sen Fragen nach Subjektivität und Identität, Ethik und Norm, nach Politik und Sinn in einer neuen Art und Weise, die sich von den dekonstruktiven Diskursen der letzten Jahrzehnte durch ihren politisch engagierten Ton abhebt. Auch die Rückbesinnung auf wichtige literaturhistorische Wenden und Umbrüche zeigt das seismografische Gespür der Literatur auf. Denn in der Kunst wird präzis dargelegt, wie gesellschaftliche Veränderungen vonstattengehen, wie sich auch eine ästhetische Tektonik verschiebt, woraus neue Kräfte und Ideen hervorge- hen. Indem die Literatur über zeitgeschichtliche Prozesse reflektiert und sich in gesellschaftlich-politischen Kontexten positioniert, macht sie auf Anpassungs- phänomene, Abnutzung von innovativen Kräften oder bequemes Sich-Einrichten in sogenannten Alternativlosigkeiten aufmerksam. So antizipiert sie nicht nur epochale Aufbrüche und Neubesinnungen, sondern auch kulturelle Transfor- mationen, politische...

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