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Poetiken des Auf- und Umbruchs

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Edited By Dagmar von Hoff, Monika Szczepaniak and Lena Wetenkamp

Der etymologische Bedeutungsgehalt der Worte Aufbruch und Umbruch ist nicht eindeutig und beinhaltet zum einen die kriegerischen Bedeutungen des Aufbruchs der Wunde und des Lagers. Zum anderen umfasst er aber auch positive Konnotationen wie den Aufbruch in eine neue Epoche und den Umbruch der Erde als Vorbereitung des Ackers auf neuen Ertrag. Die wissenschaftlichen Analysen nähern sich diesen Bedeutungen aus vielfältigen Perspektiven und zeigen, dass unterschiedliche Poeten des Auf- und Umbruchs diesen Zeitenwenden, Umbrüchen und Aufbruchsphänomenen in ihren Werken nachgehen. Die Namen der Schriftsteller reichen von Wolfram von Eschenbach, Georg Büchner, Anna Seghers, H. G. Adler, Yvan Goll, Wilhelm Furtwängler, Bertolt Brecht, Gertrud Kolmar, Elisabeth Langgässer, Paul Celan bis zu Andrzej Stasiuk.

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Bild – Erzählung – Aporie: Die verstörende Poetik Wolframs von Eschenbach: Stephan Fuchs-Jolie

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Bild – Erzählung – Aporie Die verstörende Poetik Wolframs von Eschenbach1 Stephan Fuchs-Jolie Man kann wohl mit guten Gründen sagen, dass die großen Dichter und Literaten aller Zeiten immer Poeten des Aufbruchs und Umbruchs sind – wahrscheinlich würden wir sie sonst nicht zu den ‚Großen‘ zählen. Wenn man sich fragt, wel- cher deutschsprachige Dichter der Vormoderne nun zu solchen großen Auf- und Umbrechern zählt, dann gehört Wolfram von Eschenbach ganz sicher dazu. Man muss das nicht mit einer literatur- oder kulturgeschichtlichen Umbruchszeit ver- binden – obwohl man das natürlich kann: Mit Wolfram und seinen unmittelbaren Vorläufern und Stoff- und Stichwortgebern in den Jahrzehnten um 1200 hat sich in den europäischen Volkssprachen, besonders im Okzitanischen, Französischen und dann auch im Deutschen, eine selbständige Dichtungskultur bis zu einem Punkt entwickelt, dass man erstmals von einer eigenständigen Literatur in diesen Sprachen sprechen kann. Es entstehen, um bei der Epik zu bleiben, umfangreiche selbständige Erzählungen in den Volkssprachen, nicht mehr bloß im Latein des Klerus; Erzählungen, die nicht moralisierend-exemplarisch und nicht historisie- rend sind, sondern die Märchenhaftes und Historisches frei mischen, erstmals unter der Regie eines selbstbewussten, sich selbst nennenden Erzählers, der mit seinen Rezipienten – Hörer sind es in dieser weltlichen Kultur, keine Leser – dar- über kommuniziert, wie und wann durch Erzählen Sinn entsteht. In dieser revo- lutionären ritterlich-höfischen Kultur, die man mit Recht als einen entscheiden- den Aufbruch zum modernen Europa sehen...

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