Show Less

Zeichen und Stil

Der Mehrwert der Variation- Festschrift für Beate Henn-Memmesheimer

Series:

Edited By Georg Albert and Joachim Franz

Sprache ist stets eingebettet in historische Situationen, in denen Akteure spezifische Interessen verfolgen. Die Auswahlentscheidungen, die sie dabei bezüglich sprachlicher Zeichen treffen, sind soziolinguistisch interpretierbar. Der Fokus auf Varianten als interpretierbare Zeichen führt dann auch zur Einsicht in die unterschiedliche Interpretierbarkeit sprachlicher Zeichen je nach sozio-kulturellem Kontext. Sprachliche Handlungen in ihrem sozio-kulturellen Kontext zu interpretieren ohne auf verallgemeinerbare Aussagen über die Struktur einer Sprache zu verzichten, stellt für die Sprachwissenschaft noch immer eine lohnende Herausforderung dar. Der Band vereint Beiträge, die sich zu dieser Herausforderung positionieren und sich mit den unterschiedlichen Ansätzen in den Forschungsarbeiten von Beate Henn-Memmesheimer beschäftigen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Kultursemiotik

Extract

Metaphernforschung in Russland Natalia Tikhonova 1. Einführung Beate Henn-Memmesheimer hat in ihrem Beitrag „Metapher“ gezeigt, dass Metaphern Veränderungen unserer Erkenntnisse sind, dass sie zu institutio- nalisierten Begriffen erstarren können und dass sie wiederbelebt eine neue Erkenntnisfunktion erhalten können.1 Beim Lesen ihres Beitrags richtete ich meine Aufmerksamkeit unter anderem auf das Wort Erkenntnis – das Schlüs- selwort in der Metaphernanalyse, glaube ich, welches nach dem Duden- Wörterbuch folgendermaßen umschrieben wird: „Erkenntnis 1. durch gei- stige Verarbeitung von Eindrücken und Erfahrungen gewonnene Einsicht; 2. Fähigkeit des Erkennens, des Erfassens der Außenwelt“.2 Darüber hinaus verstehe ich die Erkenntnisfunktion der Metapher als ihre Fähigkeit beim Erwerb der Erkenntnis, d. h. beim Wahrnehmen, Denken und Erkennen der Welt, neue Sichtweisen zu schaffen und um sich herum ganze Metaphern- felder zu versammeln. Henn-Memmesheimer befasst sich also in ihrem Bei- trag recht eingehend mit dem kognitiven Potenzial der Metapher.3 In diesem Zusammenhang lässt sich vermuten: Wenn Henn-Memmesheimer Sprach- wissenschaftlerin aus Russland wäre, dann hätte sie höchstwahrscheinlich den ganzen Beitrag im Rahmen des kognitiven Ansatzes geschrieben, weil die kognitive Linguistik in Russland eine der beliebtesten linguistischen Wis- senschaften seit mehr als fünfzehn Jahren geworden ist. Henn-Memmes- heimer behandelt aber die kognitive Metapherntheorie von Lakoff und Johnson4 kritisch, was im russischen wissenschaftlichen Diskurs kaum vor- stellbar ist: In der wissenschaftlichen Literatur in Russland habe ich bisher keine kritischen Impulse für die Entwicklung der auf „Metaphors we live by“ 1 Vgl. Henn-Memmesheimer...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.