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Erziehung oder Lust am Ausleben von Fantasien?

Beiträge zur Kinder- und Jugendliteratur und ihrer Didaktik

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Kaspar H. Spinner

Die in diesem Band versammelten Beiträge befassen sich mit Kinder- und Jugendliteratur vornehmlich unter dem Aspekt des Spannungsverhältnisses von Erziehungsvorstellung und literarischer Ästhetik. Die Märchen der Brüder Grimm, die Bildergeschichten von Wilhelm Busch, Johanna Spyris Heidi-Roman, Rowlings Harry Potter, Sendaks Wo die wilden Kerle wohnen, Bücher von Henning Mankell, von Joyce Carol Oates, von Nicky Singer, von Sigrid Zeevaert und anderen kommen ausführlicher zur Sprache. Besondere Berücksichtigung finden das Motiv des Essens und Trinkens in der Kinder- und Jugendliteratur und die Identitätsfindung mit den damit verbundenen Entwicklungsaufgaben. Erörtert werden auch Fragen der Didaktik und Methodik der Kinder- und Jugendliteratur.

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I. Märchen

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10 11 Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm Der Beitrag geht auf einen Vortrag im Rahmen einer öffentlichen Ringvorle- sung an der Universität zurück. Die Adressierung an ein gemischtes Publi- kum prägt entsprechend die Ausführungen. Die dargelegte Sicht auf die grimmschen Märchen ist beeinflusst von dekonstruktivistischen und dis- kursanalytischen Ansätzen der Literaturtheorie, die in den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts besonders diskutiert wurden. Erschienen ist der Beitrag 1992 – wenn in ihm von „unserem Jahrhundert“ die Rede ist, be- zieht sich das demnach auf das 20. Jahrhundert. Die Märchen, die die Brüder Grimm gesammelt haben, gelten vielen als Inbe- griff unverfälschter, zeitloser Poesie, als ursprünglichste und reinste Form der Dichtung, die über Jahrhunderte, ja Jahrtausende durch Weitererzählen von Ge- neration zu Generation auf uns gekommen ist. Ich möchte in den folgenden Aus- führungen im Einklang mit den neuesten Ergebnissen der Märchenforschung zeigen, dass eine solche Auffassung der kritischen Überprüfung in keiner Weise standhält. Die grimmschen Märchen, so meine These, sind vielmehr zu verstehen als ein Werk, das in einer bestimmten historischen Situation im Schnittpunkt verschiedener zeittypischer Vorstellungen und Schreibweisen entstanden ist. Ich löse deshalb das geschlossene Bild, das man sich so gerne von den Märchen macht, auf, um die das Werk und unser Verstehen bestimmenden Faktoren auf- zeigen zu können. In der Terminologie der gegenwärtigen Literaturwissenschaft dekonstruiere ich den Text, um ihn als Durchgangsstation verschiedener...

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