Show Less

Das modale System im Spannungsfeld zwischen Theorie und kompositorischer Praxis

Series:

Edited By Jochen Brieger

Thema des Bandes ist das Spannungsfeld zwischen theoretischer Beschreibung und praktischer Handhabung des modalen Systems. In acht Beiträgen, die vom Mittelalter bis zur Renaissance reichen, beleuchten die Autorinnen und Autoren aus unterschiedlichen Perspektiven, wie das modale System von Komponisten und Musiktheoretikern verstanden wurde. Darüber hinaus werden in den Beiträgen Vorschläge für eine analytisch adäquate Herangehensweise entwickelt.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Andreas Pfisterer: Zum Problem des Tonartwechsels im gregorianischen Choral

Extract

Andreas Pfisterer Zum Problem des Tonartwechsels im gregorianischen Choral 1. Was heißt ,Tonartwechsel‘? Die moderne Musiktheorie redet viel von Modulation im Sinne von Tonartwechsel, hat aber häufig Schwierigkeiten, über die tonartliche Einheit eines Stückes mehr zu sagen, als dass es zum Ausgangspunkt zurückkehre. Das ist eine Folge der funktionsharmonischen Blickrichtung, die bei der einzelnen Kadenz ansetzt und von dort aus auf das Ganze blickt. Das führt zur Feststellung von wechselnden lokalen Tonarten, die dann in einem weiteren Schritt in eine gegenseitige Zu- oder Unterordnung gebracht werden können - oder auch nicht. Die Theorie des christlichen Acht-Tonarten-Systems nimmt dagegen eher eine ent­ gegengesetzte Blickrichtung ein: vom Ganzen zum Detail. Im 20. Jahrhundert hat ins­ besondere Arnold Schönberg versucht, eine solche Blickrichtung wieder zu etablieren - vermutlich ohne die historischen Affinitäten zu kennen. Er postulierte das Prinzip einer „Monotonalität“, innerhalb derer dann verschiedene „Regionen“ vorübergehend einen neuen Tonikabezug herstellen können, ohne den auf einer übergeordneten Ebene liegen­ den Bezug zum eigentlichen Grundton zu verlassen.1 Über die Vor- und Nachteile dieses Prinzips in der analytischen Anwendung braucht hier nicht diskutiert zu werden. Wichtig istjedoch die Wahrnehmung, dass hinter solchen Grundsatzdiskussionen der Musiktheo­ rie ein sachliches Problem steckt, das man als Spannung zwischen lokalen und übergeord­ neten Bezügen bezeichnen könnte. Diese Spannung gibt es selbstverständlich auch im gregorianischen Choral. Als Beleg kann hier auf den Introitus „Dum medium silentium“ verwiesen werden, der von Luigi Agustoni und Johannes Berchmans Göschl...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.