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Komplexer religiöser Pluralismus im Rahmen von Philosophie, Naturwissenschaften und Literatur bei Friedrich von Hardenberg (Novalis)

Ein Beitrag zur Europäischen Religionsgeschichte

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Manuela Sekler

Ist heute Religionsfreiheit hierzulande die Regel, so standen im 18. Jahrhundert religiöse Spielräume zumeist nur einer Minderheit offen, den Gebildeten. Denn subjektiv tragender Sinn wird in der europäischen Kulturgeschichte nicht nur durch explizite Religion festgeschrieben, sondern kann unter wechselnden Voraussetzungen auch über andere Felder wie Philosophie, Wissenschaften und Literatur transportiert und gestaltet werden. Vor diesem Hintergrund werden Briefe, Aufzeichnungen und Werke des berühmten Protagonisten der Romantik, Friedrich von Hardenberg, in ihren Kontexten untersucht und in das religionswissenschaftliche Konzept einer Europäischen Religionsgeschichte eingeordnet.

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Es war in Europa nicht immer möglich, zwischen verschiedenen Sinnsystemen für eine Interpretation des eigenen Lebens und der umgebenden Welt zu wäh- len.1 Diese Freiheit war seit der politischen Durchsetzung der christlichen Reli- gion als allein wahrer Religion zumindest offiziell versagt. Mit ihr als Trägerin des als verbindlich festgelegten Sinnsystems wurden nicht nur im engeren Sinn handlungsbezogene, sondern auch soteriologische und kognitive Aspekte des religiösen Weltverhältnisses institutionell verankert und Abweichungen mit dem Stigma der Häresie versehen. Bis in die frühe Neuzeit hinein wurden mit christ- lichen Dogmen nicht übereinstimmende Auffassungen geahndet und zum Teil drastisch bestraft, sofern sie als potentielle Gefahr für bestehende Herrschafts- verhältnisse wahrgenommen wurden, zum Beispiel in Form von Infragestellun- gen kirchlicher Absolutheitsansprüche. Neben anderen Faktoren ermöglichte eine allmähliche Lockerung des kirch- lichen Einflussbereiches einen neuen religiösen Pluralismus unter veränderten Bedingungen zumindest für die Gebildeten. Hierbei liegt eine der spezifisch eu- ropäischen Besonderheiten – auf die Burkhard Gladigow im Zusammenhang mit dem Forschungsmodell Europäischer Religionsgeschichte in Abgrenzung zu ei- ner bloß „‘additive’[n] Religionsgeschichte“2 aufmerksam gemacht hat – darin, dass die Bereitstellung religiöser, hier verstanden als subjektiv tragende, Sinn- systeme in diesem Kulturraum nicht nur durch explizite Religion beziehungs- weise durch Enkulturation und Diffusion so genannter positiver Religionen er- folgte, sondern häufig inoffiziell und indirekt über Philosophie, Kunst und Wis- senschaften vermittelt und gestaltet wurde. Damit ist der grundlegende systema- tische Rahmen der vorliegenden Untersuchung umrissen, die ihrerseits...

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