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Selbstbestimmt entscheiden

Beratung bei Pränataldiagnostik und Schwangerschaftsabbruch

Anne Rummer

Schwangere Frauen müssen über die Inanspruchnahme pränataler Untersuchungen entscheiden und nach Vorliegen des Befundes in manchen Fällen über einen Schwangerschaftsabbruch. Diese Entscheidungen sollten möglichst selbstbestimmt sein. Dazu kann Beratung beitragen. Das Buch stellt sich der ebenso schwierigen wie wichtigen Aufgabe, einen auch für Nichtjuristen verständlichen Überblick über die ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen von Beratung bei Pränataldiagnostik und Schwangerschaftsabbruch zu geben. Der Gesetzgeber hat sich mit der Einführung des § 2a SchKG und des GenDG von 2010 in diesem Kontext erstmals für die Normierung eines Beratungskonzepts entschieden, das auf der Zusammenarbeit insbesondere von Ärzten und psychosozialen Beraterinnen beruht. Die Zusammenarbeit erfordert neben der Anerkennung der Professionalität des anderen die Kenntnis seines Beratungsverständnisses. Dazu gehören gesetzliche, untergesetzliche, berufsrechtliche und professionsinterne Vorgaben sowie die Berücksichtigung ethischer Aspekte.

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5. Gesetzliche und untergesetzliche Grundlagen

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Unabhängig davon, dass es keine konsentierte Definition von „Beratung“ gibt, gelten verschiedene gesetzliche Vorgaben, die Beratungsinhalte und Qualifikati­ on der Beratenden für den speziellen Bereich ärztlicher und psychosozialer Be­ ratung im Zusammenhang mit Pränataldiagnostik regeln. 5.1. Gesetzliche und untergesetzliche Grundlagen ärztlicher Beratung 5.1.1. § 218c Nr. 2 StGB - Beratungspflicht bei Schwangerschaftsab­ bruch Die einzige im Strafgesetzbuch verortete gesetzliche Beratungsregelung, die mit Schwangerschaftsabbruch und (im weitesten Sinne) mit Pränataldiagnostik im Zusammenhang zu sehen ist, statuiert § 218c Nr. 2 StGB. Verletzungen der be­ sonderen, im Zusammenhang mit dem Schwangerschaftsabbruch stehenden ärzt­ lichen Pflichten stehen gemäß § 218c Abs. 1 StGB unter Strafe: „Wer eine Schwangerschaft abbricht, [...] 2. ohne die Schwangere über die Bedeutung des Eingriffs, insbesondere über Ablauf, Folgen, Risiken, mögliche physische und psychische Auswirkungen ärztlich beraten zuhaben, [...] wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in § 2 1 8 mit Strafe bedroht ist.“ Die Verletzung dieser Pflichten ist aufgrund der in § 218c Abs. 1 StGB ange­ ordneten Subsidiarität gegenüber § 218 StGB nur dann strafbar, wenn ein nach § 218a Abs. 1 StGB tatbestandsloser oder aber nach § 218a Abs. 2 oder 3 StGB gerechtfertigter Schwangerschaftsabbruch erfolgt ist. Bis zur Änderung des SchKG und Erlass des GenDG Anfang 2010 enthielt § 218c Nr. 2 StGB im Zusammenhang mit der medizinischen Indikation das einzige gesetzlich vorgeschriebene Beratungsgespräch. Für eine Beratung im Zusammenhang mit Pränataldiagnostik kommt dieses Beratungsgespräch aller­ dings denkbar spät, schließlich ist hier die Entscheidung zum Schwangerschafts...

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