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«Ernst ist das Leben, heiter die Kunst.»

Das Humor-Konzept im Dramenwerk Frank Wedekinds

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Joanna Firaza

Vor dem Hintergrund der Geschichte des Humor-Begriffs versucht die Arbeit diese für Frank Wedekind grundsätzliche ästhetische Kategorie zu verorten. Aus der oft verfehlten Rezeption und dem eigenen Anspruch des Dramatikers resultiert eine frappante Spannung. Neue Akzente im Hinblick auf die Verwendung des Terminus manifestieren sich vordergründig im Formalen. Im Rückgriff auf die Mittel des Performativen gibt sich der Humor als eine komplexe ästhetische Antwort Wedekinds auf den Zustand der Kultur und die Kondition des Individuums. In der Ordnung der Kunst nimmt der Dramatiker somit eine vitalisierende Korrektur des mit dem Label Humorlosigkeit belegten Geistes des Wilhelminismus und seiner Literaturen vor.

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V. Gegen den ‚Geist der Schwere‘: Der Kammersänger

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1. Körper-Metapher in Zensur und Marquis von Keith Zu den Einflüssen von Nietzsches Philosophie im Werk Wedekinds haben sich bereits viele Forscher geäußert,724 aber erst Stefan Riedlinger widmet diesem Thema eine umfassende Studie. Seine Analyse von Wedekinds „Aneignungen“ der Philosophie Nietzsches konzentriert sich auf dessen Konzept des Übermen- schen, das sich bei Wedekind am deutlichsten manifestieren soll.725 Aber auch andere Themenkomplexe werden untersucht: so die Frage der Religionskritik oder das Thema Kunst und Bildung. Wedekinds Zirkusaufsätze gelten als das erste Zeugnis seiner Beschäftigung mit der Philosophie Nietzsches,726 es gibt aber Indizien, die für den Nietzsche-Einfluss schon in der ersten Hälfte der 80er Jahre sprechen. So ist Wedekinds Zarathustra-Lektüre bereits ab 1883 möglich gewesen.727 Mit diesem Text soll sich Wedekind auch besonders intensiv ausei- nandergesetzt haben.728 Wie im letzten Kapitel bereits erwähnt, denunziert 724 Vgl. etwa Hector Maclean: Wedekinds Der Marquis von Keith. An Interpretation based on the Faust and Circus Motif. In: Germanic Review 43 (1968), S. 163–187; Firda: Wedekind, Nietzsche and the Dionysian Experience. 725 Stefan Riedlinger interpretiert Fritz von Schwigerling und Marquis von Keith als „intellektuelle Variante[n] des Übermenschen“. Schwigerling ist ein „von Geist und Humor“ bestimmter, „durch Nietzsches Elastizität“ verbundener Seiltänzer, Marquis von Keith „die psychologische Vertiefung“ des Schwigerling-Typus. Lulu und Franziska seien weibliche Übermenschen, wobei die zweite Frauenfigur eine „Synthese des Instinktwesens Lulu und der Seiltänzer“ sei. Erst mit Herakles werde Wedekind das Konzept radikal kritisch hinterfragen. Riedlinger:...

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