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Selbstreflexion im Narrenspiegel

Die Hofnarrenporträts von Diego Velázquez

Saskia Jogler

Im Laufe seiner Karriere als Hofmaler Philipps IV. malte Velázquez eine bemerkenswerte Anzahl von Narrenbildnissen, die durch ihre unkonventionellen Sujets und technische Brillanz hervorragen. In der Studie wird diese Werkgruppe erstmals in ihrem einstigen Bezugssystem verortet und zusammenhängend erforscht. Hängungskontexte werden rekonstruiert, Ikonografien eingehend analysiert und die Bedeutung der Gemälde für Velázquez’ künstlerisches Selbstverständnis herausgestellt. Daneben werden kunst-theoretische Aspekte zur Porträtmalerei und der Kunst der Täuschung detailliert diskutiert. Durch zusätzliche interdisziplinäre Vergleiche mit Narrenfiguren aus Literatur und Theater erschlieerschließen sich Velázquez’ Narrenporträts erstmals in einem umfassenden kunst- und kulturgeschichtlichen Kontext.

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2 Die Narrentreppe im Buen Retiro

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Im Jahr 1630 begann in Madrid ein zunächst noch klein dimensioniertes, doch rasch in seinem Umfang wachsendes Bauprojekt unter der Federführung des Conde-Duque de Olivares, Philipps IV. Erstem Minister. Am östlichen Rand der Stadt entstand der Vergnügungspalast Buen Retiro, während der Alcázar als of- fizieller Regierungssitz der Monarchie am westlichen Stadtrand lag. Der Buen Retiro wurde zwischen 1630 und 1635 an das Kloster San Jerónimo angebaut, bereits im Dezember 1633 eingeweiht und umgehend mit den ersten Bildern, Tapisserien und Skulpturen ausgestattet.245 Er sollte der Erbauung und Zerstreu- ung Philipps IV. dienen, enthielt aber auch hoch repräsentative Räume wie den Salón de Reinos (Saal der Königreiche), der 1635 eingeweiht wurde. Stets waren die Aufenthalte des Königs im Buen Retiro mit Festlichkeiten verbunden, wie der Aufführung von Theaterstücken, Stierkämpfen, Feiertagen oder Karneval.246 Anlässlich der Fronleichnamsfeierlichkeiten 1634 schrieb Calderón de la Barca ein auto sacramental (Fronleichnamsspiel) mit dem Titel El nuevo pala- cio del retiro, das die Einweihung des Buen Retiro im Dezember 1633 zum Thema hatte. In Calderóns loa, die dem Hauptstück als kurzes, einführendes Schauspiel voranging, fanden die konträren Funktionen des altgedienten Alcázar und des neuen Buen Retiro Palasts eine besonders eindrückliche Charakterisie- 245 Zur Baugeschichte, Ausstattung und Programmatik des Buen Retiro vgl. die grundle- gende Publikation von Brown und Elliott [1980] 2003 sowie die Quellen- und Litera- turbesprechung ebd. Appendix 2, S. 258-262. Die Ergebnisse eines aufwendigen Re-...

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