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Selbstreflexion im Narrenspiegel

Die Hofnarrenporträts von Diego Velázquez

Saskia Jogler

Im Laufe seiner Karriere als Hofmaler Philipps IV. malte Velázquez eine bemerkenswerte Anzahl von Narrenbildnissen, die durch ihre unkonventionellen Sujets und technische Brillanz hervorragen. In der Studie wird diese Werkgruppe erstmals in ihrem einstigen Bezugssystem verortet und zusammenhängend erforscht. Hängungskontexte werden rekonstruiert, Ikonografien eingehend analysiert und die Bedeutung der Gemälde für Velázquez’ künstlerisches Selbstverständnis herausgestellt. Daneben werden kunst-theoretische Aspekte zur Porträtmalerei und der Kunst der Täuschung detailliert diskutiert. Durch zusätzliche interdisziplinäre Vergleiche mit Narrenfiguren aus Literatur und Theater erschlieerschließen sich Velázquez’ Narrenporträts erstmals in einem umfassenden kunst- und kulturgeschichtlichen Kontext.

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4 Velázquez´ Neugestaltung der Narrentreppe im Alcázar

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Nachdem Velázquez in den 1630er Jahren eine Narrenserie für den Buen Retiro und eine weitere für die Torre de la Parada geschaffen hatte, widmete er sich in den 1640er Jahren einem letzten Ausstattungsprojekt, bei dem eine Serie von Narrenporträts involviert war. Ausgangspunkt seiner erneuten Auseinanderset- zung mit diesem Bildmotiv war die seit 1625/1628 bestehende Narrenserie im Treppenhaus des Alcázar in Madrid, deren Lokalisierung, bauliche Beschaffen- heit und Bildprogramm bereits im ersten Kapitel behandelt wurden. Velázquez nahm eine großzügige Umgestaltung des alten Programms vor, in deren Zuge er Bilder entfernte, umhängte oder gegen neue Gemälde austauschte. Unter den neu aufgehängten Gemälden befanden sich auch zwei Narrenporträts von Ve- lázquez selbst, die Bildnisse der Zwerge Sebastián de Morra und don Diego de Acedo, genannt El Primo. Während die Narrenbildnisse immer wieder Gegen- stand wissenschaftlicher Auseinandersetzungen waren, ist die Ausstattung der Treppe durch Velázquez in der Forschung nie thematisiert worden. 4.1 Der Auftrag an Velázquez Im Archiv des Königspalasts in Madrid ist ein Dokument erhalten, das nicht nur die Umgestaltung des Bildprogramms der Treppe durch Velázquez belegt, son- dern auch eine Datierung des Projekts liefert und Intentionen benennt. Hier heißt es: „im vergangenen Jahr 1645 [...] sind die Bilder übergeben worden [...], die sich in den Korridoren [und] im Treppenhaus zu den bóvedas befinden und weitere des kleinen Saals, der Galerie Ihrer Majestät und den Sommergemächern. Diese befin- den sich in...

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