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Selbstreflexion im Narrenspiegel

Die Hofnarrenporträts von Diego Velázquez

Saskia Jogler

Im Laufe seiner Karriere als Hofmaler Philipps IV. malte Velázquez eine bemerkenswerte Anzahl von Narrenbildnissen, die durch ihre unkonventionellen Sujets und technische Brillanz hervorragen. In der Studie wird diese Werkgruppe erstmals in ihrem einstigen Bezugssystem verortet und zusammenhängend erforscht. Hängungskontexte werden rekonstruiert, Ikonografien eingehend analysiert und die Bedeutung der Gemälde für Velázquez’ künstlerisches Selbstverständnis herausgestellt. Daneben werden kunst-theoretische Aspekte zur Porträtmalerei und der Kunst der Täuschung detailliert diskutiert. Durch zusätzliche interdisziplinäre Vergleiche mit Narrenfiguren aus Literatur und Theater erschlieerschließen sich Velázquez’ Narrenporträts erstmals in einem umfassenden kunst- und kulturgeschichtlichen Kontext.

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5 Narrenporträts im Dienst künstlerischer Selbstreflexion

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5.1 Engaño, desengaño und die Kunst der Täuschung Die experimentelle Technik von Velázquez´ Narrenporträts lässt die Spaßma- cher des königlichen Hofs in höchstem Maße lebendig erscheinen. Dazu tragen der summarische Pinselstrich, transluzente und verwischte Partien als auch die Einbeziehung der Grundierung und Leinwandtextur in die Gesamtwirkung bei. Trotz der naturalistischen Gestaltungsweise wird die Illusion eines in sich ge- schlossenen Bildsystems immer wieder durch Brüche im System gestört. Diese Störungen bewirken, dass die Narrenporträts immer wieder aufs Neue die ge- wohnte visuelle Wahrnehmung des Rezipienten herausfordern. Für die in den vorangehenden Kapiteln behandelten Narrenporträts lassen sich diese Störungen in aller Kürze wie folgt zusammenfassen: Pablo de Valladolid (Abb. 2.3) zeigt in seinem Porträt eine eindrucksvolle körperliche Präsenz, steht aber in einem irrealen Raum ohne Boden und Wand, der auch der Figur ihre Daseinsberechtigung in der Realität entzieht. Die räumli- che Wirkung des Narren wird indes allein durch die vibrierende Farbe des Hin- tergrunds, die Plastizität des Körpers und dessen Bewegtheit erzeugt. Im Porträt von don Juan de Austria (Abb. 2.5) werden der Narr und seine wahnhafte Vision, er wäre der Sieger von Lepanto, mithilfe verschiedener Mal- techniken in ihrem Realitätsgrad voneinander unterschieden. Gleichwohl ist don Juan nicht „realer“ als seine Vision, auch er ist lediglich gemalte Figur. Das Porträt des Narren Barbarroja (Abb. 2.4) zeigt verschiedene Stadien der Ausarbeitung: Einige Partien sind...

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