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Selbstreflexion im Narrenspiegel

Die Hofnarrenporträts von Diego Velázquez

Saskia Jogler

Im Laufe seiner Karriere als Hofmaler Philipps IV. malte Velázquez eine bemerkenswerte Anzahl von Narrenbildnissen, die durch ihre unkonventionellen Sujets und technische Brillanz hervorragen. In der Studie wird diese Werkgruppe erstmals in ihrem einstigen Bezugssystem verortet und zusammenhängend erforscht. Hängungskontexte werden rekonstruiert, Ikonografien eingehend analysiert und die Bedeutung der Gemälde für Velázquez’ künstlerisches Selbstverständnis herausgestellt. Daneben werden kunst-theoretische Aspekte zur Porträtmalerei und der Kunst der Täuschung detailliert diskutiert. Durch zusätzliche interdisziplinäre Vergleiche mit Narrenfiguren aus Literatur und Theater erschlieerschließen sich Velázquez’ Narrenporträts erstmals in einem umfassenden kunst- und kulturgeschichtlichen Kontext.

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6 Das Serienphänomen

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6.1 Die Narrengalerie wird gesellschaftsfähig Velázquez´ Narrenserien waren keine isolierten Ausnahmeerscheinungen. Be- reits um 1625/1628 wurde mit der Narrentreppe im Alcázar die erste Narrenga- lerie innerhalb der königlichen Residenzen Spaniens eingerichtet. Diese umfass- te insgesamt neun Narrenporträts, die zum Großteil von Alonso Sánchez Coello stammten (vgl. Kap. 1.2.1). Die Narrentreppe im Alcázar löste die frühen, noch mit Wunderkammern in Verbindung stehenden Ansammlungen von Porträts „sonderbar“1307 erscheinender Personen ab. Kuriosität spielte fortan in den Nar- rengalerien des 17. Jahrhunderts kaum noch eine Rolle. Zwar wurden auch zu dieser Zeit noch immer Porträts von Personen gemalt, die auffällige körperliche Besonderheiten vorzuweisen hatten, wie Jusepe de Riberas Bildnis der bärtigen Magdalena Ventura (1631),1308 doch wurden sie wesentlich seltener. Nicht nur der spanische König fand Gefallen daran, seine Paläste mit Narrenga- lerien auszustatten. Auch Adlige sowie Hofangestellte ohne aristokratischen Hintergrund sammelten Narrenporträts. Dank der Forschungen von Cherry und 1307 Den Ausdruck „sonderbar“ („extraño“) hatte Argote de Molina benutzt, um im Pala- cio de El Pardo Porträts von Personen mit Behinderungen und andere ihm sonderbar erscheinende Bilder zu beschreiben (Argote de Molina [1582] 1882, S. 102f, vgl. Kap. 1.2.1). 1308 Hospital de Tavera, Fundación Casa Ducal de Medinaceli Toledo, vgl. Pérez Sánchez 1992a. Das Porträt wurde vom Duque de Alcalá während seiner Amtsperiode als Vize- könig von Neapel bei Ribera in Auftrag gegeben. Da die b...

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