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Selbstreflexion im Narrenspiegel

Die Hofnarrenporträts von Diego Velázquez

Saskia Jogler

Im Laufe seiner Karriere als Hofmaler Philipps IV. malte Velázquez eine bemerkenswerte Anzahl von Narrenbildnissen, die durch ihre unkonventionellen Sujets und technische Brillanz hervorragen. In der Studie wird diese Werkgruppe erstmals in ihrem einstigen Bezugssystem verortet und zusammenhängend erforscht. Hängungskontexte werden rekonstruiert, Ikonografien eingehend analysiert und die Bedeutung der Gemälde für Velázquez’ künstlerisches Selbstverständnis herausgestellt. Daneben werden kunst-theoretische Aspekte zur Porträtmalerei und der Kunst der Täuschung detailliert diskutiert. Durch zusätzliche interdisziplinäre Vergleiche mit Narrenfiguren aus Literatur und Theater erschlieerschließen sich Velázquez’ Narrenporträts erstmals in einem umfassenden kunst- und kulturgeschichtlichen Kontext.

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Ein letzter Blick in den Narrenspiegel: Velázquez´ Narrenporträts im Kontext

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Ziel dieser Untersuchung war es, durch die Analyse des Phänomens der Narren- galerie zu Beginn der Frühen Neuzeit Rückschlüsse auf deren zeitgenössische Wahrnehmung und Funktion innerhalb der königlichen Paläste zu ziehen sowie die Bedeutung jenes Bildthemas im künstlerischen Schaffen Velázquez´ zu er- forschen. Die wichtigsten Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen: Hofnarrenporträts, in Narrenserien gruppiert, eroberten im 17. Jahrhundert die Zwischenräume spanischer Königspaläste und privater Sammlungen, die noch nicht von festen Standardprogrammen besetzt waren. Wie andere Palasträume, die spezielle Bestimmungen innerhalb des Hofzeremoniells erfüllten, waren auch diese mit eigenen Funktionen belegt. In Durchgangsräumen und insbeson- dere in Treppenhäusern vermittelten Narrengalerien nicht nur zwischen Stock- werken oder Räumen, sondern zwischen einander entgegengesetzten Lebensbe- reichen, die der Repräsentation bzw. dem Vergnügen dienten. Durch ihre Analy- se ließ sich ein Bereich höfischen Lebens erschließen, der bisher der Forschung verborgen geblieben war, nämlich jener an der Schwelle zwischen Pflichterfül- lung und Muße. Die Anbringung in Durchgangsräumen entsprach dabei dem dynamischen Charakter der Serien, während Treppen aufgrund ihrer Assoziier- barkeit mit Auf- und Abstiegssymbolik und den damit verbundenen moralischen Konnotationen die Aussage der Bildprogramme unterstützten. Die vermittelnde Funktion jener Übergangsbereiche wurde im 17. Jahrhundert bewusst wahrge- nommen und inszeniert, indem sie in Bildprogrammen widergespiegelt wurde. Da gezeigt werden konnte, dass Velázquez seine Narrenporträts als Serien konzipierte und auf ihre jeweiligen Hängungsorte abstimmte, und da...

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