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Afinite Nebensatzkonstruktionen und ihre Geschichte

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Katalin Janigáné-Prokai

Afinite Nebensatzkonstruktionen sind eingeleitete Nebensätze ohne jede finite Verbform. In Bezug auf das Deutsche wurden diese zwar seit dem 17. Jahrhundert in den Grammatiken und in sprachhistorischen Studien behandelt, aber nicht gründlich untersucht, so dass vor allem über die Vorkommenshäufigkeit und mögliche Typen der Weglassungen Unstimmigkeiten bestehen. Mit Hilfe einer empirisch-statistischen Untersuchung von 156 Texten verschiedener Textsorten aus dem Zeitraum 1550 bis 1800 wurden in dieser Arbeit neue Kenntnisse über die Auslassung des finiten Verbs im Nebensatz gewonnen und für die künftige Beschreibung der afiniten Nebensatzkonstruktionen in Sprachgeschichten und historischen Grammatiken Empfehlungen formuliert.

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4 Material und Methoden

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4.1 Grammatische Terminologie Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf die Untersuchung und Beschrei- bung von afiniten Nebensatzkonstruktionen. Wie schon im Kapitel 1.2.1 geklärt wurde, werden unter diesem Terminus eingeleitete Nebensätze ohne jede finite Verbform verstanden. Bei der Beschreibung des Phänomens wird die Termino- logie der traditionellen Grammatik verwendet. Ein Nebensatz ist ein Teilsatz, der im zusammengesetzten Satz von einem übergeordneten Teilsatz syntaktisch abhängig ist.209 Bei einem eingeleiteten Nebensatz wird der Teilsatz durch eine Subjunktion oder durch ein Relativum210 eingeleitet. In diesem Fall nimmt das finite Verb gewöhnlich die letzte Position im Nebensatz ein. Besteht das Prädi- kat aus mehreren Verben, gilt als Normalregel, dass die übrigen Konstituenten des Verbalkomplexes unmittelbar vor dem finiten Verb am Satzende stehen. Die Verbformen eines Verbalkomplexes sind obligatorisch kohärent miteinander verbunden. Das bedeutet, dass der ganze Verbalkomplex im Verbletztsatz am Ende des Satzes stehen muss.211 Verbalkomplexe, die mehr als zwei infinite Verbformen enthalten, weichen von der Normalregel ab. In diesen Fällen hat das finite Verb seinen Platz vor den infiniten Prädikatsteilen und der Infinitiv in Par- tizipfunktion, der so genannte Ersatzinfinitiv eines Modalverbs, steht am Ende des Nebensatzes. Bei den afiniten Nebensatzkonstruktionen handelt es sich in den meisten Fällen um die Auslassung der finiten Hilfsverben haben, sein und werden, die zur Bildung des Perfekts, des Plusquamperfekts, des Futurs oder des Passivs dienen. Diese Verben werden in der Duden-Grammatik als infinitregierende Verben212 bezeichnet. In der traditionellen Grammatikschreibung ist für diese Verben auch noch der Terminus...

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