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Überlebenschancen der Kleinsprachen in der EU im Schatten nationalstaatlicher Interessen

Identitätskonstruktionen von Kulturakteuren in europäischen Grenzräumen

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Zhouming Yu

Die zwischen Sprach- und Politikwissenschaft angesiedelte Studie beschäftigt sich mit der Situation der Kleinsprachen in Europa und mit den soziolinguistischen, gesellschaftlichen und politischen Bedingungen ihres Überlebens. Sie nimmt durchgehend zweierlei in den Blick: die Ursachen für Sprachgefährdung einerseits, die Faktoren für eine erfolgreiche Spracherhaltung andererseits. Sprache wird hierbei immer sowohl als Identitätsträger als auch als Kommunikationsmittel verstanden und aus Sicht der unterschiedlichen Akteure, des Staates und der Sprecher der Kleinsprachen, beleuchtet. Diskutiert werden unter anderem Aspekte wie Fragen zu Sprachstatus und Sprachkompetenz, deren Domänenspezifik, die Chancen und Risiken individueller und staatlicher Mehrsprachigkeit sowie die völkerrechtlichen Rahmenbedingungen.

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1 Einleitung

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Der Untergang von Sprachen ist ein natürlicher Prozess in der langen Ge- schichte menschlicher Kommunikation. Er findet aber erst seit einigen Jahrzehn- ten wissenschaftliche Aufmerksamkeit. Der Grund liegt nicht nur in der Ent- wicklung der Soziolinguistik oder in den Fortschritten des Menschenrechts- und Minderheitenschutzes. Diese Aufmerksamkeit ist auch mit der Realität des drastischen Rückgangs der weltweiten Sprachenanzahl in der jüngsten Zeit ver- bunden. Obwohl die Listen der gefährdeten Sprachen wegen unterschiedlicher Kriterien oder wegen der Ungenauigkeit bei der Feststellung dieser Kriterien unterschiedliche Sprachen enthalten und die Gefährdungsgrade der gleichen Sprache auch voneinander abweichen können, die Tendenz der Abnahme der Gesamtzahl der Sprachen ist klar. Als gefährdet gelten nicht nur die Sprachen, die sehr wenige Sprecher haben und die nicht mehr oder nur noch selten gespro- chen werden und daher schon vor ihrem Tod stehen. Auch den Sprachen, die nicht mehr in manchen Domänen oder nicht mehr im modernen Kontext benutzt werden, droht der Untergang. Krauss war der erste, der vor einem Massen- sterben der Sprachen warnte. Er rechnete mit dem Verschwinden von 20-50% der Sprachen im 21. Jahrhundert. Nach ihm werden letztlich nur 10% der heutigen Sprachen überleben.1 Und auch das neueste UNESCO Red Book 2009 „Atlas of languages in danger“ meint, dass die Hälfte der mehr als 6.000 heute gesprochenen Sprachen vom Aussterben in diesem Jahrhundert gefährdet sein wird.2 Die Ursachen der Schwächung und des Untergangs der Sprachen sind sehr unterschiedlich, sie reichen von Umweltkatastrophen über ethnische...

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