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Überlebenschancen der Kleinsprachen in der EU im Schatten nationalstaatlicher Interessen

Identitätskonstruktionen von Kulturakteuren in europäischen Grenzräumen

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Zhouming Yu

Die zwischen Sprach- und Politikwissenschaft angesiedelte Studie beschäftigt sich mit der Situation der Kleinsprachen in Europa und mit den soziolinguistischen, gesellschaftlichen und politischen Bedingungen ihres Überlebens. Sie nimmt durchgehend zweierlei in den Blick: die Ursachen für Sprachgefährdung einerseits, die Faktoren für eine erfolgreiche Spracherhaltung andererseits. Sprache wird hierbei immer sowohl als Identitätsträger als auch als Kommunikationsmittel verstanden und aus Sicht der unterschiedlichen Akteure, des Staates und der Sprecher der Kleinsprachen, beleuchtet. Diskutiert werden unter anderem Aspekte wie Fragen zu Sprachstatus und Sprachkompetenz, deren Domänenspezifik, die Chancen und Risiken individueller und staatlicher Mehrsprachigkeit sowie die völkerrechtlichen Rahmenbedingungen.

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6 Zwischenfazit: Spracherhaltung durch Betonung der Identität oder der Kommunikation?

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In den letzten zwei Kapiteln wurde diskutiert, wie die unterschiedlichen Funk- tionen von Sprache als Identitätsträger und als Kommunikationsmittel jeweils aus Perspektive des Staates und der Minderheiten zu bewerten sind. Die Entwicklung und Durchsetzung unterschiedlicher Formen von Sprachenpolitik sind als Resultate des Zusammenspiels aller dieser Faktoren zu betrachten. In Bezug auf den Umgang mit den Kleinsprachen lassen sich beim Staat und bei den Minderheiten jeweils unterschiedliche Charakteristika zusammenfassen. 6.1 Der Staat gegenüber den Sprachen: differenziertes Verhalten Obwohl die menschliche Gleichheit seit der Französischen Revolution als eins der demokratischen Prinzipien geschätzt wird, ist sie im sprachlichen Belang schwer zu erreichen. Das ist sowohl auf die Identitäts- als auch auf die Kommunikationsfunktion der Sprache zurückzuführen. Ungleichheit zeigt sich zuerst in der inländischen Sprachenpolitik des Staates. Ein Staat kann in fast allen Bereichen, z. B. Ethnie, Herkunft, Kultur, Religion usw. neutral bleiben, nicht aber im Sprachgebrauch. Praktische Erwä- gungen sind der Hauptgrund dafür, dass die Kleinsprache sehr wenig Präsenz in den politischen und öffentlichen Bereichen vorweisen kann. Wenn früher das nationalstaatliche Ideal „Ein Staat, eine Nation, eine Sprache.“ die größte Bedro- hung für die Existenz der Kleinsprachen war, spielt heutzutage bei der Planung der Sprachenpolitik die Effizienzfrage eine immer wichtigere Rolle, obwohl die Minderheitenrechte unter Schutz stehen und die kulturelle Vielfalt geschätzt wird. Deswegen wird in der staatlichen Sprachenpolitik oft der Schwerpunkt auf die Förderung und Schonung der kulturellen Identitäten der Sprecher der Klein- sprachen...

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