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Punkt, Linie, Fläche – territorialisierte Europäisierung

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Tobias Chilla

Die räumlichen Auswirkungen der europäischen Integration sind sehr vielfältig und zeigen sich gerade auch in unerwarteten Bereichen. Tobias Chilla reflektiert dies in konzeptioneller Hinsicht und bezieht sich dabei auf drei Fallbeispiele, die der Logik «Punkt-Linie-Fläche» folgen. Punkt: Die Suche nach einer «Hauptstadt der EU» hat Brüssel und andere Städte geprägt, ohne dass bis heute offiziell eine EU-Hauptstadt benannt worden wäre. Linie: Die Neuausrichtung der sogenannten «Großregion» um Luxemburg zeigt einen Maßstabsprung in der Kooperation entlang von Grenzen. Fläche: Die Naturschutzrichtlinie FFH hat nach einer konflikthaften Umsetzung nun mehr als ein Zehntel des europäischen Territoriums unter Schutz gestellt.

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1 Einführung und Hintergrund

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Bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert wird Europa geprägt vom Inte- grationsprozess der Europäischen Union. Diese hat ihre – zahlreicher werden- den – Mitgliedsstaaten zunehmend eng aneinander gebunden. Hinzu kommt eine Reihe an potenziellen und anerkannten Beitrittsländern und zudem eine Reihe an Nachbarstaaten mit oft engen Kooperationsbeziehungen. In all diesen Staaten beeinflusst ‚Europa’ in Form der Europäischen Union das politische, aber auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Geschehen in (zu- nehmend) großer Intensität. Dieser Befund, der hier unter dem Begriff der Euro- päisierung reflektiert wird, steht im Mittelpunkt dieser Arbeit: Europäisierung ist weit mehr ist als eine administrative Vokabel, sie ist ein umfassender Trend. Angefangen von der Nachkriegszeit bis zu den heutigen Weichenstellungen ist die Europäische Integration ein Vorhaben, das weltweit einmalig ist und zu Recht als Politikkonstrukt sui generis bezeichnet wird. Sie ist nicht nur zwischen den etablierten Kategorien der föderalen und der supranationalen Organisation anzu- siedeln, sondern sie ist in vielerlei Hinsicht ein Pionierprojekt. Auch nach einem halben Jahrhundert bleiben die politischen Debatten hierbei ausgesprochen span- nend. Dabei ist aktuell festzustellen, dass die Diskussion zunehmend breiter ge- führt wird. Zwar ist in institutioneller Hinsicht das Demokratie-Defizit der Union bei Weitem nicht überwunden, aber seit den (gescheiterten) Volksabstimmungen über die geplante Verfassung und vor allem seit den tiefen Krisen in der europäi- schen Wirtschaft, Währung und Politik wird eine Debatte über ‚Europa‘ in einer Kontinuität und Sichtbarkeit geführt, die zuvor häufig vermisst wurde – auch wenn man...

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