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Punkt, Linie, Fläche – territorialisierte Europäisierung

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Tobias Chilla

Die räumlichen Auswirkungen der europäischen Integration sind sehr vielfältig und zeigen sich gerade auch in unerwarteten Bereichen. Tobias Chilla reflektiert dies in konzeptioneller Hinsicht und bezieht sich dabei auf drei Fallbeispiele, die der Logik «Punkt-Linie-Fläche» folgen. Punkt: Die Suche nach einer «Hauptstadt der EU» hat Brüssel und andere Städte geprägt, ohne dass bis heute offiziell eine EU-Hauptstadt benannt worden wäre. Linie: Die Neuausrichtung der sogenannten «Großregion» um Luxemburg zeigt einen Maßstabsprung in der Kooperation entlang von Grenzen. Fläche: Die Naturschutzrichtlinie FFH hat nach einer konflikthaften Umsetzung nun mehr als ein Zehntel des europäischen Territoriums unter Schutz gestellt.

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5 ‚Linie‘: metropolitane Grenzräume (‚Metroborder‘)

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5.1 Metropolitane Grenzräume? 5.1.1 Grenzräume und Europäisierung In Grenzräumen zeigt sich die Bedeutung von europäischer Integration und Euro- päisierung besonders deutlich: Die Liberalisierung von Europas Binnengrenzen führt in diesen Regionen oft zu sehr unmittelbaren räumlichen Konsequenzen, etwa im Hinblick auf berufliche Mobilität oder Immobilienmärkte. Damit eng verbunden sind die gesellschaftlichen Debatten, wie sie beispielsweise im Zuge der EU-Osterweiterung besonders plastisch geführt wurden und werden: Typi- scherweise steht bei den ‚alten‘ EU-Mitgliedsregionen in Grenzräumen auf der einen Seite die Hoffnung, die bisherige Randlage einzutauschen in eine Mittella- ge mit Schnittstellen- oder gar Drehkreuzfunktion. Auf der anderen Seite stehen Befürchtungen, nun ungeschützt in Konkurrenz und in ungewohnter ‚Nähe‘ zu den Nachbarn zu stehen – dies betrifft insbesondere die jeweiligen Arbeitsmärk- te, deren etablierte Lohngefüge und Sicherheiten in Gefahr gesehen werden; auch ansteigende Kriminalität aufgrund weniger kontrollierter Grenzen wird häufig befürchtet. Die Liberalisierung von Grenzen bezieht sich auf vier Kategorien, für die das Passieren der Grenze nunmehr erleichtert wird – Menschen, Güter, Dienstleistun- gen und Finanzen. Im europäischen Einigungsprozess ging es dabei immer um eine selektive oder partielle Liberalisierung: Für die unterschiedlichen Katego- rien wurden nie gleichzeitig und im selben Ausmaß Liberalisierungen getroffen. Dies wird besonders sichtbar in Beitrittsprozessen, etwa wenn Grenzkontrollen im Personenverkehr aufgehoben werden, der Arbeitsmarkt aber noch nach altem nationalen Regime organisiert bleibt. Auch innerhalb der Kategorien ist die Liberalisierung kaum je vollständig, Grenzeffekte bleiben fast immer...

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