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Reformation und Humanismus

Philipp Melanchthon und Johannes Calvin

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Wilhelm Schwendemann

Warum soll man sich mit Philipp Melanchthon und Johannes Calvin außerhalb von jährlichen Erinnerungsfeiern beschäftigen? Beide Theologen waren umfassend humanistisch gebildet und sind über den Weg der Sprache auf biblische Texte gestoßen und haben so die Reformationen in Wittenberg und in Genf wesentlich befördert. Ohne den Hintergrund humanistisch-philologischer Ausbildung wären sie theologisch nicht kompetent gewesen und hätten die Tiefenstruktur der biblischen Texte nicht aufnehmen können. Die politischen und sozialen Herausforderungen waren für beide Reformatoren sehr verschieden, wobei jedoch der humanistische Bildungsgrund so etwas wie eine Sensibilisierung für Vielfalt entstehen ließ. Die theologisch-reformatorischen Modelle sind insofern bedenkenswert und faszinierend, weil sie auf die Grundfragen christlicher Existenz, Bildung und Erziehung, christlicher Praxis und Ethik antworten.

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Philipp Melanchthon 1497−1560. Mit Worten streiten, nicht mit Gewalt!Theologischer Kritiker Israels und Anwalt verfolgter Juden

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Philipp Melanchthon 1497−1560 Mit Worten streiten, nicht mit Gewalt! Theologischer Kritiker Israels und Anwalt verfolgter Juden Vortrag in der evangelischen Erwachsenenbildung Freiburg am 27. April 2010 Einleitung Im Jahr 1510 wurde gegen die märkischen und brandenburgischen Juden der Vor- wurf des Hostienfrevels und des Kindermordes erhoben und der Prozess gemacht. Anlass war der Einbruch in die Kirche von Knobloch im Havelland, bei welchem eine vergoldete Monstranz und zwei geweihte Hostien gestohlen wurden. Der angebliche Täter Paul Fromm, ein Kesselschmied aus Bernau, soll eine Hostie an den Juden Salomon aus Spandau verkauft haben. In Folge des Prozesses wur- den ca. 100 verdächtigte Juden nach Berlin gebracht. Dort wurde ihnen auch die Ermordung von Christenkindern zur Last gelegt. Die gesamte Bevölkerung war von ihrer Schuld überzeugt und, ähnlich den Ketzer- oder Hexenprozessen, wur- den am 19.07.1510 in Berlin 38 Juden auf einem großen Gerüst verbrannt. Zu den Opfern gehörte unter anderem der Brandenburger Rabbiner Sloman. Zwei getaufte Juden wurden mit dem Schwert hingerichtet. Die übrigen in der Mark Brandenburg lebenden Juden wurden vertrieben. Von 1511−1532 lebten und handelten keine Juden mehr in der Mark Brandenburg.1 Für Rabbiner Josel von Rosheim war es deshalb durchaus überraschend, dass Philipp Melanchthon auf dem Frankfurter Fürstentag von 1539 Position gegen den Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg nahm und die im sogenannten Brandenburger Judenpogrom von 1510 beschuldigten Juden verteidigte und die Hintergründe aufdeckte. Dem Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg machte Melanchthon klar, dass...

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