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Reformation und Humanismus

Philipp Melanchthon und Johannes Calvin

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Wilhelm Schwendemann

Warum soll man sich mit Philipp Melanchthon und Johannes Calvin außerhalb von jährlichen Erinnerungsfeiern beschäftigen? Beide Theologen waren umfassend humanistisch gebildet und sind über den Weg der Sprache auf biblische Texte gestoßen und haben so die Reformationen in Wittenberg und in Genf wesentlich befördert. Ohne den Hintergrund humanistisch-philologischer Ausbildung wären sie theologisch nicht kompetent gewesen und hätten die Tiefenstruktur der biblischen Texte nicht aufnehmen können. Die politischen und sozialen Herausforderungen waren für beide Reformatoren sehr verschieden, wobei jedoch der humanistische Bildungsgrund so etwas wie eine Sensibilisierung für Vielfalt entstehen ließ. Die theologisch-reformatorischen Modelle sind insofern bedenkenswert und faszinierend, weil sie auf die Grundfragen christlicher Existenz, Bildung und Erziehung, christlicher Praxis und Ethik antworten.

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Calvin und das Judentum −Vortrag am 9. November 2009.

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Calvin und das Judentum − Vortrag am 9. November 2009 HS 1023 / KG I Universität Freiburg Einleitung Sehr geehrte Damen und Herren, vor ein paar Minuten ist ein paar Meter von hier die Gedenkveranstaltung an die Reichspogromnacht 1938 zu Ende gegangen. Wir haben uns daran erinnert, dass in den Nächten „vom 9. bis 12. November 1938 in Deutschland, Österreich und im Sudetenland mehr als 1000 Synagogen und Betsäle entweiht und verwüstet worden sind, hunderte von ihnen niedergebrannt. Nazis brachen in die Gebäude ein, zerstörten die Innenräume, Torarollen, Gebetbücher, sonstiges Inventar und Gemeindeakten. … In jenen Tagen demolierten Na- zis und ihre Helfer Tausende Geschäfte jüdischer Eigentümer und Wohnungen jüdischer Bürger, terrorisierten Hunderttausende Menschen und schändeten zahllose Friedhöfe. Sie ermordeten etwa hundert Menschen, verhafteten 30.000 Männer, verschleppten sie in Konzentrationslager und misshandelten sie dort Wochen lang. Über 2.000 von ihnen kamen zu Tode. Zwei Wochen vor den Pogromen hatte das Naziregime 17.000 Juden pol- nischer Herkunft nach Polen abgeschoben. Sie wurden nachts an die Ostgrenze deportiert. Polen schloss seine Grenze. 8.000 Menschen blieben für mehrere Wochen im Niemands- land eingeschlossen, darunter die Eltern des 17-jährigen Herschel Grynszpan, der sich nach Paris abgesetzt hatte. Als dieser vom Schicksal seiner Eltern erfuhr, schoss er in der deutschen Botschaft auf den Beamten Ernst vom Rath. Vom Rath starb am 9. Novem- ber. Da entfesselte die Naziführung den Pogrom. Nach den Pogromen wurde allen Juden eine kollektive...

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