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Reformation und Humanismus

Philipp Melanchthon und Johannes Calvin

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Wilhelm Schwendemann

Warum soll man sich mit Philipp Melanchthon und Johannes Calvin außerhalb von jährlichen Erinnerungsfeiern beschäftigen? Beide Theologen waren umfassend humanistisch gebildet und sind über den Weg der Sprache auf biblische Texte gestoßen und haben so die Reformationen in Wittenberg und in Genf wesentlich befördert. Ohne den Hintergrund humanistisch-philologischer Ausbildung wären sie theologisch nicht kompetent gewesen und hätten die Tiefenstruktur der biblischen Texte nicht aufnehmen können. Die politischen und sozialen Herausforderungen waren für beide Reformatoren sehr verschieden, wobei jedoch der humanistische Bildungsgrund so etwas wie eine Sensibilisierung für Vielfalt entstehen ließ. Die theologisch-reformatorischen Modelle sind insofern bedenkenswert und faszinierend, weil sie auf die Grundfragen christlicher Existenz, Bildung und Erziehung, christlicher Praxis und Ethik antworten.

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Verachte alle Menschengunst und Erdengüter!Überlegungen zu Calvins Anthropologie – eine Annäherung zwischen Calvin und Platon und ihre sozialen Auswirkungen

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Verachte alle Menschengunst und Erdengüter! Überlegungen zu Calvins Anthropologie – eine Annäherung zwischen Calvin und Platon und ihre sozialen Auswirkungen Der Geist zieht Geist an und der Körper einen anderen Körper Einleitung In jüngster Zeit gab es vor allem im Bereich der Hirnforschung oder der Trans- plantationsmedizin eine Wiederbelebung von dualistischen Körperkonzepten. Mich kritisch mit diesen auseinanderzusetzen (Schwendemann 2009; 2011; 2012), war für mich Anlass, das Konzept des platonischen Leib-Seele-Dualismus und seine Rezeption bei Calvin noch einmal zu bedenken, weil es sich z.B. auf ein anthropologisches Grundkonzept und auf Rollendefinitionen von Männern und Frauen in der frühbürgerlichen Gesellschaft ausgewirkt hat. Die Rezeption des mittelalterlichen Platonismus in der Reformationszeit zielt auf die Beziehung zwischen Seele und Körper/Leib im Bereich der anthropologischen Grundlegung, meint aber gerade bei Calvin auch die Beziehung zwischen dem Begrenzten und dem Unbegrenzten oder zwischen dem Belebten und dem Unbelebten weitet sich also von anthropologischen Grundfragen zu metaphysischen aus. Wie kann der begrenzte, auch durch Sünde und Tod begrenzte menschliche Leib mit der un- sterblichen Seele zusammenkommen? Dieser Seele wird eine Bewegung zurück zu ihrem Ursprung unterstellt, eine Selbstbewegung, die der Leib aufgrund seiner Begrenzung hindert; der Leib ist das Gefängnis der Seele; umgekehrt belebt die Seele den Leib und entbindet ihn seiner Begrenztheit. Die Seele wird zum Er- kenntnismotor im Leib, der der Zeit und auch seiner eigenen Geschichte ausge- liefert werden kann und immer nur sehr fragmenthaft seine Verbindung zur Seele aufrechterhält....

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