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«Fortsetzung folgt...»

Zum intertextuellen Trialog zwischen Günter Grass, Salman Rushdie, John Irving und ihrem Ahnherrn Laurence Sterne

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Bettina Beltz

Intertextuelle Literatur liefert subversive und polyphone Zustandsbeschreibungen der Welt. Sie ist Gedächtnisort der Kultur, schreibt sich in diese ein und stiftet Identität. Intertextuelle Literatur wird damit zur Verwirklichung des Goetheschen Konzeptes von Weltliteratur. Unter all diesen Prämissen werden die Werke Günter Grass’, Salman Rushdies und John Irvings in dieser Arbeit untersucht. Dabei entstehen differenzierte Bilder des 20. Jahrhunderts und seiner politischen und gesellschaftlichen Befindlichkeiten, die sich trotz der unterschiedlichen kulturellen Provenienz gegenseitig berühren und befruchten. Denn die Themen, die Bücher nicht nur für Grass zu «Überlebensmitteln» machen und seit jeher gemacht haben, davon wird auch in Zukunft und überall zu erzählen sein: Es geht um Verlust und Identität, um Geschichte und Gegengeschichte, um Wahrheit und Erinnerung.

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I. Einleitung

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Günter Grass stellt seine Rede anlässlich der Verleihung des Nobelpreises für Literatur in Stockholm am 7. Dezember 1999 unter das Motto "Fortsetzung folgt".1 Er rekapituliert darin sein gesamtes Schriftstellerleben und gibt umfas- send Auskunft über Motivation, Schreibtraditionen und die sein Leben und Werk bestimmenden Themen, welche für jemanden, dem das Erzählen zur "Überlebens- und Kunstform"2 geworden ist, naturgemäß nicht zu trennen sind. Bereits in die Kindheit datiert sich der an anderer Stelle so bezeichnete "vitale und vulgäre Wunsch, Künstler zu werden"3, der ihm jedoch erst durch den ge- waltsamen Einbruch der Zeitgeschichte gleichsam zum Auftrag geworden ist, indem das gesamte poetologische wie thematische Feld, das fortan beackert werden musste, dadurch bereits mit abgesteckt wurde. "Fortsetzung folgt...", das heißt aber mitnichten, dass Grass' Werk zum aus- schließlich eigenen und "ewigen Fortsetzungsroman" würde, der in kreativer Selbstgenügsamkeit die einmal gefundenen Themen umkreist und immer wieder neu vermisst, wie der Titel einer Rezension zum Nobelvortrag nahelegen könn- te.4 Vielmehr ist der ungemein produktive, vielseitige und zuweilen durch seine Hartnäckigkeit sowohl im künstlerischen Werk wie im politischen Engagement im eigenen Land willentlich unbequem gewordene deutsche Schriftsteller durch die offene und dynamisch sich fortentwickelnde Kombination aus "privatem Motivkomplex" und "poetischem Weltentwurf "5 zum Vorbild für Schriftsteller- kollegen in der ganzen Welt geworden, die seitdem in unterschiedlichem Um- fang und mit jeweils eigenen Kapiteln an diesem kollektiven, internationalen und mehrsprachigen 'Fortsetzungsroman' mitschreiben. Die Hauptakteure des sowohl interkontinentalen wie...

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