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«Franckreichs Geist» (1689): Argumentatives Handeln in der Frühaufklärung

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Andreas Brandtner

Jede Zeit hat ihre Diskurse, an denen epochenspezifische Argumentations- und Denkweisen erkennbar werden. Vor mehr als dreihundert Jahren, Ende des 17. Jahrhunderts, hatte Frankreichs König Ludwig XIV. damit begonnen, seine Expansionspolitik erneut kriegerisch zu verstärken. Dies rief zahlreiche Publizisten, Pamphletisten, Drucker und Verleger auf den Plan, und ein zeitlich wie räumlich ausgedehnter Diskurs über die Expansionsbestrebungen Frankreichs entstand. Teil dieses Diskurses ist die Flugschrift Franckreichs Geist von 1689, die sowohl in vielfältigen deutschsprachigen Varianten als auch in Ausgaben in den wichtigsten europäischen Sprachen weite Verbreitung fand. Sie ist so ein besonders prägnantes Beispiel dafür, wie ein kritischer Diskurs in den Massenmedien dieser Zeit geführt wurde. Daher eignet sich diese Flugschrift besonders für die Analyse beispielhafter Ausprägungen von Begründungsmustern und argumentativem Handeln in der frühen Neuzeit.

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V. Resümee

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147 V. Resümee Jede Zeit hat ihre Diskurse, in denen die „epochenspezifische Argumen- tations- oder Denkweise über bestimmte Wissensgebiete“536 erkennbar wird. In den Ausdrucksformen von Texten, die aus solchen Diskursen ent- stehen, ist die „Struktur eines sozial und thematisch eingegrenzten Dis- kussionszusammenhanges“ gleichsam konserviert, was sie in einem gewis- sen Grad rekonstruierbar macht. Einen solchen Diskurs gab es Ende der 1680er Jahre in aller Ausführlichkeit und Intensität über die politischen und militärischen Aktivitäten Frankreichs. ‚L'Esprit/Franckreichs Geist‘ und die anderen deutschen, niederländischen und englischen Ausgaben dieser Flugschrift können als besonders prägnantes Beispiel dafür gelten, wie dieser Diskurs in und von Massenmedien der Zeit geführt wurde. Natürlich ist die Bedeutung, die ‚L'Esprit/Franckreichs Geist‘ dabei kon- kret hatte, heute ebenso wenig rekonstruierbar wie die Person der Autoren und Redakteure. Allenfalls kann anhand vielfältiger Indizien davon aus- gegangen werden, dass diese Schriften tatsächlich Beachtung fanden und Wirkung erzielten. Zu diesen Indizien zählen ihre besondere argumenta- tive Qualität und, eben darum, die große Vielfalt von Ausgaben in mehre- ren Sprachen und deren weite Verbreitung. Dabei ist es nicht eigentlich der Inhalt selbst, der ‚L'Esprit/Franckreichs Geist‘ abhebt von vielem, was in der gleichen Zeit für einen sich schnell entwickelnden Druckschriftenmarkt geschrieben und gedruckt wurde. Die Liste der um 1690 herum gängigen Staats=Maximen Frankreichs beispiels- weise, die in ‚L'Esprit/Franckreichs Geist‘ abgearbeitet wird, ließe sich auch aus anderen Schriften contra Gallos zusammenstellen. Dies weist „auf ein...

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