Show Less

Die retrospektive Digitalisierung von Printpublikationen

Series:

Jörn Heckmann

Die Netzgemeinde hegte die Hoffnung, dass im Wege der retrospektiven Digitalisierung eine allumfassende Bibliothek entstehen könnte, welche das Wissen der Menschheit digital zugänglich macht. Schnell zeigte sich den nutzungswilligen Dritten jedoch, dass mit einem technischen Können nicht automatisch ein rechtliches Dürfen einhergeht. Die Darlegung dieses rechtlichen Dürfens ist Gegenstand dieser Publikation. Hierbei wird neben der Behandlung der urheberrechtlichen Zulässigkeit entsprechender Digitalisierungsvorhaben auch ein Blick auf die bislang stark vernachlässigten wettbewerbsrechtlichen und markenrechtlichen Fragestellungen geworfen. Des Weiteren untersucht der Autor die Verwertungsmöglichkeiten von verwaisten Werken ( orphan works) und beleuchtet die Frage, inwieweit das Allgemeine Persönlichkeitsrecht sowie Abwehrrechte der Verlage eine Digitalisierung verhindern können.

Prices

See more price optionsHide price options
Show Summary Details
Restricted access

A. Retrospektive Digitalisierung: Einleitung und Überblick

Extract

Als der Suchmaschinenbetreiber Google Inc. auf der Frankfurter Buchmesse im Januar 2004 ankündigte, den Bestand von mehreren großen Universitätsbibliothe- ken (u.a. Stanford University Library, Harvard University Library) zu digitalisie- ren, hegte die Netzgemeinde die Hoffnung, dass der Traum einer allumfassenden Bibliothek zweitausend Jahre nach der Zerstörung der Bibliothek von Alexandria endlich verwirklicht werden könnte. Begonnen hatte dieser Traum mit der Er- schließung des Internets für breite Benutzergruppen1: Informationen und wissen- schaftliche Texte waren nicht mehr gleichbedeutend mit gedruckten Informatio- nen auf Papier.2 Mit dem einhergehenden Wandel in der Nutzung zeitgemäßer Informationsmethoden und der Integration von digitalisierten Bibliotheksbestän- den in die Arbeitsumgebung wuchs auch der Wunsch, nicht nur für aktuelle Do- kumente auf digitale Informationsangebote zurückzugreifen, sondern auch analo- ge Printpublikationen zukünftig digital nutzen und erschließen zu können – zumal die Digitalisierung älterer Literatur auch als strategisch wichtige Maßnahme für die Wissenschaft und Kultur eines Landes angesehen wird.3 Während vor zweitausend Jahren jedoch kriegerische Auseinandersetzungen zur Vernichtung der Bibliothek von Alexandria und damit einhergehend zum Verlust des gesammelten Wissens der Menschheit führten, droht nun eine ähnli- che Gefahr ausgerechnet von den Urhebern der zur Digitalisierung vorgesehe- nen Bücher – stehen diese doch mangels hinreichender wirtschaftlicher Beteili- gung an den möglichen Erlösen regelmäßig einer digitalen Werkverwertung ab- lehnend gegenüber. Wie bereits zuvor schon bei den rechtlichen Auseinandersetzungen um die MP3-Tauschbörsen wird insofern den nutzungswilligen Dritten abermals vor Augen geführt,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.