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Die Geschichte der Vorurteile: Wieland-Rezeption im 19. Jahrhundert

Wieland in der Literaturgeschichtsschreibung von 1839 bis 1911

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Sascha Ferber

Christoph Martin Wieland war einer der umstrittensten Autoren des 18. Jahrhunderts. Fand er bei den Zeitgenossen zunächst überwiegend Akzeptanz, geriet er unter den Angriffen der Klassiker und mehr noch der Romantiker als «frivol», «unmännlich» und vor allem als «undeutsch» zunehmend in Verruf. Diese frühe Kritik marginalisierte den Autor, ehe ein größeres Publikum ihn wirklich gelesen hatte. Die Studie rekonstruiert den Hauptstrom der vorurteilsgesättigten Wieland-Rezeption, der die Literaturgeschichten der Berichtszeit durchzieht, legt aber anhand vieler bislang unbeachteter Zeugnisse – etwa zur Aufnahme des Agathon-Romans – auch einen breiten Gegenstrom in der Literaturgeschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts frei, der die hohe Anerkennung bezeugt, die Wieland, teils wohl gegen die Absicht der Kritiker selbst, auch im 19. Jahrhundert gezollt worden ist.

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Vorwort

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Unter den Vorarbeiten zum Thema beschränkt sich selbst die jüngste (Harry Ruppel: Wieland in der Kritik. Die Rezeptionsgeschichte eines klassischen Autors. 1980) auf eine so enge Auswahl an Zeugnissen, daß sie zu einer kritischen Analyse des Quellenmaterials nicht hinreicht. Friedrich Sengles bekannte Wieland-Mono- graphie (F.S.: Wieland. 1949) bringt Fragen der Rezeption kein Interesse entgegen. So verwundert es nicht, daß Hans Werner Seiffert in seiner kurzen Übersicht über Desiderata der Wieland-Forschung (1984) auch eine umfassende rezeptions- geschichtliche Untersuchung anmahnt. Das Fehlen einer solchen Arbeit dürfte u.a. mit der Fülle und Verstreutheit des Materials, gewiß auch mit seiner Sprödigkeit, zusammenhängen. Die vorliegende Arbeit stellt den ersten Versuch einer umfassenden monogra- phischen Darstellung zur Auffassung von Wielands Werk dar, wie sie vor allem in den Literaturgeschichten, aber auch in der Publizistik des 19. Jahrhunderts ihren Niederschlag gefunden hat. Sie will vor allem das Bild rekonstruieren, das die deutschen Literaturgeschichten der gewählten Berichtszeit von Person und Werk Wielands bieten, mag es sich dabei um Bücher handeln, die sich eher an eine allgemeine Leserschaft gerichtet haben, darunter nicht zuletzt auch die Schüler von Gymnasien, oder eher an eine solche, die fachlich vorgebildet ist. Wieland ist einer der umstrittensten Dichter des 18. Jahrhunderts gewesen. Hat- te er auch zunächst eine große Wirkungsmacht, so war er doch schon den Angriffen der Klassiker ausgesetzt, die sich bei den Romantikern noch um ein Vielfaches verstärkten und sich noch über das ganze 19. Jahrhundert, ja bis in das...

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