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Die Geschichte der Vorurteile: Wieland-Rezeption im 19. Jahrhundert

Wieland in der Literaturgeschichtsschreibung von 1839 bis 1911

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Sascha Ferber

Christoph Martin Wieland war einer der umstrittensten Autoren des 18. Jahrhunderts. Fand er bei den Zeitgenossen zunächst überwiegend Akzeptanz, geriet er unter den Angriffen der Klassiker und mehr noch der Romantiker als «frivol», «unmännlich» und vor allem als «undeutsch» zunehmend in Verruf. Diese frühe Kritik marginalisierte den Autor, ehe ein größeres Publikum ihn wirklich gelesen hatte. Die Studie rekonstruiert den Hauptstrom der vorurteilsgesättigten Wieland-Rezeption, der die Literaturgeschichten der Berichtszeit durchzieht, legt aber anhand vieler bislang unbeachteter Zeugnisse – etwa zur Aufnahme des Agathon-Romans – auch einen breiten Gegenstrom in der Literaturgeschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts frei, der die hohe Anerkennung bezeugt, die Wieland, teils wohl gegen die Absicht der Kritiker selbst, auch im 19. Jahrhundert gezollt worden ist.

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1 Wieland-Rezeption im 19. Jahrhundert – Ausgangslage: Bisherige Forschung – Vorgehensweise der vorliegenden Arbeit

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Herbert Jaumann schrieb 1994, daß in der Wieland-Forschung „noch immer eine analytischen Ansprüchen genügende umfassende Rezeptionsgeschichte“1 fehle. Den Versuch einer relativ umfassenden Rezeptionsgeschichte hatte zwar 1980 bereits Harry Ruppel mit seinem Buch Wieland in der Kritik – Die Rezeptions- Geschichte eines klassischen Autors in Deutschland unternommen2, jedoch hat er dabei nicht die Wirkung Wielands auf die deutsche und anderssprachige Literatur sowie auf die deutsche Sprache untersucht, sondern lediglich die Stellungnahmen zu Wieland besprochen, so daß ein entscheidend großer Bereich ausgeklammert blieb. Zum zweiten ist die Frage, ob diese Darstellung wirklich analytischen An- sprüchen gerecht werde, was Jaumann – 14 Jahre später – offensichtlich bezwei- felt. Das erscheint auch schon aufgrund des zu geringen ausgewerteten Materials fragwürdig. So nimmt Ruppel als Grundlage für seine Darstellung der Wieland- Rezeption in der Literaturgeschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts keine zehn Literaturgeschichten ausführlicher in den Blick und bezieht auch bei den wenigen, die er bespricht, überwiegend nur die ausdrücklichen Stellungnahmen der Literar- historiker ein und geht nur in rudimentären Ansätzen auf tieferliegende Schichten oder erst zu erschließende, untergründige Informationen ein, so daß von analy- tischen Ansprüchen schwerlich gesprochen werden kann. Daher schien es für die hier vorgelegte Arbeit geboten, nur einen bestimmten Teil der Rezeptionsgeschichte auszuwählen, diesen aber mit analytischer Schärfe zu durchforsten, um wenigstens für einen bestimmten Teilbereich fundierte Er- kenntnisse zu gewinnen. Es ist ohnehin ein immer wieder anzutreffendes Problem (nicht nur) in der Wieland-Rezeption, daß Vorurteile weiter...

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