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Alexander von Humboldts Metaphysik der Erde

Seine Welt-, Denk- und Diskursstrukturen

Hans-Otto Dill

Anhand Alexander von Humboldts amerikanischem Reisewerk ( Reise in die Äquinoktialgegenden des neuen Kontinents, Politische Essays über Mexiko und Kuba) wird in dieser Untersuchung in Verbindung mit der Erdphilosophie seines Kosmos nachgewiesen, dass dessen Denk- und Diskursstrukturen auf einem in der Dialektik Erde-Mensch kulminierenden System von Binomen beruhen. Mit ihrer Hilfe sei es dem preußischen Natur- und Kulturwissenschaftler gelungen, wesentliche kausalgenetische Zusammenhänge zwischen der spezifisch lateinamerikanischen Natur und den indigen-kreolischen Gesellschaften auf diesem Subkontinent aufzudecken. Auch die respektiven Unterschiede zu Europa lassen sich mit dessen anderer Natur und Kultur – im Unterschied zu rassistischen und biologistischen Theorien – erklären.

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Exkurs 1: Die Humboldtschen Binomien nackt vs. bekleidet

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Die Humboldtschen Antinomien der anorganischen bzw. anteorganischen Natur haben Folgen für das organische Leben, die Pflanzenwelt, für die von dieser abhängige Agrikultur, Ernährung, Lebensweise und Geisteskultur der Menschen. Auf dieser „Natur“-Grundlage errichtet er das Gebäude seiner dritten Binomiengruppe, das der humanweltlichen Kultur. Das sei am Beispiel seiner vom Gegensatz warm vs. gemäßigt zehrenden Opposition nackt vs. bekleidet gezeigt. Die Indios liefen laut Kolumbusbericht über seine erste Begegnung mit ihnen allesamt „desnudos como su madre los parió“, nackt wie ihre Mutter sie geboren hatte herum, während diese ihrerseits über die Bekleidung der in eiserne Rüstungen verpackten Spanier staunten. Schon bei den ersten „Entdeckern“ und Konquistadoren erregte die un- genierte Nacktheit der Eingeborenen Aufmerksamkeit und Anstoß. Doch Humboldt bemerkt, dass dies nur für die Insulaner der heißen Karibik, auf welche sich Kolumbus´ Kenntnis von der Neuen Welt weitgehend beschränkte, sowie für die Regenwaldbewohner zwischen Orinoko und Chaco zutraf. Dieses Detail des Kolumbus-Berichts über die Nacktheit der Indianer hat neben der Erwähnung des Goldes und der Menschenfresserei den größten Eindruck auf die Europäer gemacht und wurde von ihnen als Mythos mit der „Neuen Welt“ identifiziert. Sie sahen die Nacktheit der indianischen Heiden als Ausdruck der Unsittlichkeit und Morallosigkeit im Sinne der Bibel an, der zufolge das nackte erste Menschenpaar Adam und Eva aus dem Irdischen Paradies wegen seiner Sündhaftigkeit vertrieben wurde (Indianische Nacktheit assoziiert andererseits das „Irdische Paradies“, das Kolumbus an der Orinokomündung zu entdecken...

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